Wochenprognose: Azorenhoch vs. Islandtief

Die wichtigsten Köche für unser Wettergeschen sind Azorenhoch und Islandtief.

Das Azorenhoch gehört zum subtropischen Hochdruckgürtel gespeist mit Luftmassen aus dem Äquatorbereich. Das Islandtief ist mit polarer Kaltluft gefüllt. Diese unterschiedlichen Warm- und Kaltluftmassen matchen sich in den mittleren Breiten des Atlantiks.  Sind Azorenhoch und Islandtief gut ausgeprägt und befinden sie sich an ihren angestammten Plätzen, so reicht die Frontalzone, die im Gradientenfeld zwischen beiden Druckgebilden verläuft, mit vorherrschend westlichen Winden  bis ME. Je nach Jahreszeit bedingt  dies einen wechselhaften feuchtmilden (Winter) oder feuchtkühlen (Sommer) Wettercharakter.

Abhängig vom  Verlauf der Frontalzone ist im Alpenraum der antizyklonale (nördlicher Verlauf) oder zyklonale Einfluss dominierend. 
In diesem Winter ist die Vormachtstellung des Islandtiefs  und damit zyklonale Vorherrschaft unverkennbar.

Trotzdem gibt sich das Azorenhoch nicht so leicht geschlagen. Es wird nicht müde, durch Aufwölbungsversuche die Frontalzone nach NO umzulenken, für unser Wetter zu blockieren und die Strömung auf nördliche Richtung umzulenken. Bis jetzt aber ohne Nachhaltigkeit, da die kanadischen Kaltluftmassen heftige Tiefdruckentwicklungen am NW-Atlantik induzieren und damit das Islandtief permanent regenerieren.

Auch in der kommenden Woche setzt sich das Auf und Ab, der Wechsel zwischen milden, fast frühlingshaften und kühleren Tagen fort.  

 

Heute So und morgen Mo bestimmen sehr milde Luftmassen, die um das Azorenhoch herumgeführt werden, und antizyklonaler Einfluss unser Wetter:

28.01.2018.gfs-0-12

 

 
Am Di ist in die WNW-Strömung eine schwache Kaltfront eingebettet. Es wird etwas kühler, aber nicht kalt, und unbeständig.

Mitte der Woche unternimmt das Azorenhoch einen Aufwölbungsversuch und lenkt an seiner NO Flanke in weiterer Folge ein Tiefdruckgebiet nach ME, das kurzzeitig Schnee bis in tiefe Lagen bringen kann:

28.01.2018.gfs-0-102

 

Allerdings dauert es nicht lange, bis eine neuerliche Tiefdruckentwicklung bei Südgrönland den Keil „abhobelt“ und das zonale Zirkulationsmuster wieder herstellt:

28.01.2018.gfs-0-132

Die eingeflossenen Kaltluft wird bereits am kommenden Wochenende wieder durch milde atlantische Luftmassen ersetzt.

Hat der Winter in den Niederungen im Februar noch eine Chance?

Das amerikanische GFS-Modell hält am winterfeindlichem Westwinwetter fest. Gut zu erkennen am berechneten Nordatlantische Oszillationsindex (NAOI):

28.01.2018.naoi

 

Der NAOI ist Indikator für den Druckunterschied zwischen Azorenhoch und Islandtief. Ist er positiv, so sind beide Druckgebilde mehr oder weniger stark ausgeprägt und die Zirkulation ist zonal ausgerichtet (Westwinde), im negativen Fall haben wir es mit einem meridionalem Zirkulationsmuster (Trog-/Rückenmuster) mit Chancen für nördliche Strömung und damit auf winterliches Wetter zu tun. 

 

Warum die derzeitige GWL  eine starke Erhaltungsneigung aufweist und  keine nachhaltige winterliche Wetterlage bis in die Niederungen im Mittelfristzeitraum zu erwarten ist, zeigt ein Blick auf die NH (nördliche Hemisphäre) zum Beginn der ersten Februarwoche. Ein neuerlicher Trogvorstoß über ME, der einen Hauch von Winter bringt, wird durch eine Orkantiefentwicklung bei Südgrönland keinen nachhaltigen Bestand haben:

28.01.2018.gfsnh-0-198

 

Die Temperaturen zum gleichen Zeitpunkt sind selbstredend. Extreme arktische Kaltluftmassen liegen über NO-Kanada, strömen auf den Atlantik und halten die Westdrift aufrecht:

28.01.2018.gfsnh-1-198

 

Nachfolgend eine Gegenüberstellung  zweier Meteogramme auf gleicher geografischer Breite von Gitterpunkten in Kanada und Norwegen. Während über dem Atlantik die Temperaturen auf extreme -40° C sinken, herrschen zur gleichen Zeit an der norwegischen Küste auf gleicher Breite zarte Plusgrade.

Kanada:

28.01.2018.ens.no-kanada

 

Norwegen:

28.01.2018.ens.norwegen

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