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Diesiges Wochenende durch Saharastaub sorgt für weiteren Aprilrekord

Trotz der gestrigen markanten Kaltfront mit einem gefühlten Temperatursturz um fast 15 K auf Tmax von knapp über 10° C und der nachfolgenden kühlen Strahlungsnacht (aktuelle Temperatur um 07:00 an meiner Messstation in Thenneberg: +1,6° C) wird der April vermutlich als der wärmste in die Statistik der Messaufzeichnungen der ZAMG eingehen.
EDIT 13:00: Die gerade veröffentlichte Monatsbilanz der ZAMG weist den April 2018 als zweitwärmsten der 251-jährigen Messgeschichte aus. Nur der April 1800 war noch wärmer.

Auch die Mengen an Saharastaub, die im Verlauf des Aprils bereits zu den Alpen transportiert wurden und am Wochenende noch ankommen werden (Beitragsbild, Quelle: ZAMG Schadstofftransport), sind rekordverdächtig.

 

Exemplarisch die Temperaturabweichung an der Tawes-Station der ZAMG in St. Pölten:

27.04.2018.t.ano

Quelle:  ZAMG Klimaspiegel

 

Die Ursache für den enormen Temperaturüberschuß liegt in den persistenten Troglagen  über WE im April. Trogvorderseitig wurden dabei mit einer SW bis S-Strömung subtropische Luftmassen an und über die Alpen gesteuert.
Die ungewöhnlich hohen, teils sommerlichen Temperaturen führten zu einer äußerst raschen Schneeschmelze bis ins Hochgebirge. Verstärkt wurde dieser Vorgang noch durch mehrmalige Ablagerungen von mitgeführten Saharastaub an der Schneeoberfläche, der den Albedoeffekt (Reflexion der Sonnenstrahlung) verringerte und damit eine stärkere Wärmeabsortion mit beschleunigter Schneeschmelze zur Folge hatte.
Neben (früh-)sommerlicher Wärme wird Saharastaub auch am bevorstehenden Wochenende ein Bestandteil der Wetterberichte sein.
Wie schon mehrmals in diesem April und in meinen Wetteranalysebeiträgen behandelt liegt am Wochenende ein Langwellentrog mit großer Amplitude entlang der europäischen Atlantikküste und reicht mit der Trogspitze bis NW-Afrika in die Sahara. Dort wird Wüstenstaub aufgewirbelt, durch Hebung in höhere Luftschichten verfrachtet, von der Höhenströmung aufgenommen und mit den Höhenwinden nach N transportiert
Die Stromslinien in ca. 5500m Höhe der nachfolgenden exemplarischen Karte dokumentieren den Verlauf der Strömung, die direkt vom Atlasgebirge über das westl. Mittelmeer zu den Ostalpen führt:

27.04.2018.strömungslinien

 

Das Beitragsbild zeigt den vorhergesagten Saharastaub am So über ME (Quelle: ZAMG Schadstofftransport):

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Nachfolgende zusammengestellte Animation aus Karten der Universität Athen (Quelle: Skiron) zeigt die prognostizierte Ausbreitung des Saharastaubs am bevorstehenden Wochenende:

27.04.2018.saharastaub

 

Ohne NS merkt man vom advehierten Saharastaub am Boden in der Regel nicht viel, aber in höheren Luftschichten erscheint der Himmel deutlich getrübt und die Fernsicht ist entsprechend  einschränkt. 
Erst durch Regen gelangt der Staub in größeren Mengen bis zum Boden und wird als Ablagerung sichtbar. 
Der Saharastaub, der z.B. Mitte der Woche die Ostalpen erreichte, wurde in der Nacht auf Mi ausgewaschen und am Boden abgelagert. Zusammen mit dem Blütenstaub ergab das eine auffallend gelbe „Schmutzfilm“:

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Die feinen Saharastaubteilchen fungieren in den höheren Schichten der Troposphäre zusätzlich als Kondensationskeime , an denen sich Tropfen bilden können, was wiederum die Entstehung von hohen Schleierwolken (Cs) begünstigt.

 

Das Auftreten von Saharastaub mag für den Menschen lästig sein (Auswirkung auf Atemwege, Verschmutzung), für den Amazonasregenwald ist er überlebenswichtig. Saharastaub ist nämlich äußerst mineralstoffreich und fruchtbar und wird mit der Passatwindzirkulation zwischen dem  Subtropenhochgürtel und der innertropischen Konvergenzzone im äquatiorialen Bereich über den Atlantik nach W bis ins Amazonasbecken und in die Karibik transportiert. Für den Amazonasregenwald fungiert er als wichtiges Düngemittel.

Das Phänomen Saharastaub ist ein ergiebiges Thema für die Forschung.
Forscher gehen davon aus, dass der äußerst nährstoffarme Regenwald des Amazonas primär von der Sahara her versorgt wird (s.o.).
Saharastaub wirkt sich auch auf Strahlungsbilanz aus. Die Sonnenstrahlung wird reduziert. Damit beeeinflusst er Wetter und Klima.
Ebenso hat Saharastaub im Sommer/Herbst Auswirkungen auf die Hurrikanbildung auf dem Atlantik. Trockene und staubige Luft ist kontraproduktiv für Sturmbildung.

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