Landregen beendet die Trockenheit; durchwachsenes Pfingstwetter

Im Zentrum eines Höhentiefs verläuft im gesamten Österreich  der heutige Di trüb und nass.
Was für viele Gebiete im S und SO des Landes mittlerweile zu viel des Guten ist, bedeutet für den W, N und O  eine Beendigung der herrschenden Trockenheit. Für letztere Gebiete ist der Landregen Goldes wert. 

Die nachfolgende Karte der ZAMG(Quelle Klimatothek) dokumentiert die NS-Abweichungen vom langjährigen Mittel eines Frühjahrs bis zum heutigen Zeitpunkt. Rot eingefärbt sind die Gebiete mit NS-Defizit:

 

15.05.2018.ano.prec.frühjahr

 

Was bringen die folgenden Tage?

Die zwei Drehzentren des Höhentiefkomplexes, die sich gestern Mo, wie in meiner letzten Wochenprognose dargestellt, noch über dem Golf von Genua und der Ukraine befanden, sind heute Di über Österreich zu einem Kern verschmolzen. Umgebende Hochdruckgebiete verhindern eine rasche Verlagerung.

Die von dem Höhentief verursachten Regenfälle verlagern  im Laufe des heutigen Di mit einer herumgeführten Okklusion ihren Schwerpunkt vom S über den Alpenostrand an die Alpennodseite:

15.05.2018.gfs-0-12

 

Berechnete NS-mengen bis zur Nacht auf morgen Mi:

15.05.2018.ns

 

Wie geht es nun weiter?

Das Höhentief verlagert sich langsam nach NO und liegt am Do über Polen und dem Baltikum. An seiner Rückseite verbleiben die Ostalpen in einer nördlichen Grundströmung, mit der weiterhin wolkenreiche und NS-anfällige Luft zu den Ostalpen gesteuert wird.

Während im O und an der Alpennordseite Mi/Do ein unbeständiger Wettercharakter mit Schauern und nur wenigen Sonnenfenstern ansteht, wird es an der begünstigten Alpensüdseite recht freundlich mit erhöhter Schauer- und Gewitterbereitschaft an den Nachmittagen.
Die Temperaturen steigen nach dem kühlen verregneten Di langsam wieder an und pendeln sich auf jahreszeitlich durchschnittlichem Niveau ein:

15.05.2018.gfs-0-60

 

In den oberen Schichten der Troposphäre (siehe obige Geopotentialkarte) gelangt im Gradientenfeld zwischen dem Höhentief und einem Azorenhochkeil mit korrespondierenden Bodenhoch über Schottland ein Schwall Polarluft zur Nordsee. Dieser Prozess wird maßgeblich die weitere Entwicklung  beeinflussen.

Dere Nachschub an Höhenkaltluft wird durch das weitere Vorstoßen des Azorenkeils nach Skandinavien zwar rasch abgeblockt, hinterlässt aber einen trägen Kaltluftkörper in der oberen Troposphäre. Dieser abgeschnürte Kaltlufttropfen (KLT) verlagert sich am Fr über die Nordsee, positioniert sich bis Sa ortsfest über Benelux und stützt einen flachen bis zur Iberischen Halbinsel reichenden Trog.
Die Ostalpen liegen Fr/Sa im Randbereich dieses flachen Troges in einem zyklonal geprägten „Barosumpf“.  Die schwache Grundströmung dreht auf S und steuert zunehmend feuchtmilde Mittelmeerluft an die Alpensüdseite.  Bei gradientenschwachen Verhältnissen muss im Tagesgang mit gewittrigen Schauern gerechnet werden:

15.05.2018.gfs-0-108

 

Eine Stabilisierung der Luftmasse und damit durchgreifende Wetterbessung ist auch  Pfingstsonntag/-montag nicht zu erwarten.

Aus südlicher Richtung gelangen  weiterhin feuchtmilde Luftmassen zu den Ostalpen und halten die Bereitschaft für  konvektiven Niederschlag (Schauer, Gewitter) aufrecht.
An der Vorderseite eines kräftigen Atlantiktiefs zwischen Grönland und Island wird Warmluft nach Skandinavien gesteuert was in weiterer Folge zum Aufbau Aufbau eines kräftigen Hochdruckgebietes führt.

Berechnete Druckstruktur für Pfingssonntag nach dem aktuellen GFS-Modelllauf:

15.05.2018.gfs-0-132

 

Eine recht forsche und aus meiner Sicht nicht ganz zu erwartende Entwicklung zeigt GFS für den Pfingstmontag. Eine Aufwölbung des Azorenhochs bildet an der NO-Flanke die Rutsche für einen Trogvorstoß der atlantischen Frontalzone nach WE. Der trog fängt den KLT ein, der tags zuvor noch mit dem Höhentief im O in Verbindung stand. Über dem östlichen ME bildet sich eine flache Hochdruckbrücke zum Skandinavienhoch. Damit entsteht eine fragile omegaähnliche  Druckkonstellation:

15.05.2018.gfs-0-156

 

Zusammenfassend lässt sich sagen:

Pfingsten wird relativ mild mit durchwachsenem Wettercharakter:
freundliche Abschnitte, garniert mit Schauern und Gewittern

Erhebliche Unsicherheiten sehe ich noch in den Berechnungen des KLT.

 

EDIT 09:15: Mittlerweile sind auch die Geopotentialberechnungen des europäischen IFS bis Pfingsten verfügbar. Bis zum Pfingssonntag ist die Übereinstimmung mit GFS, auf dessen Basis meine obige Analyse beruht,  recht gut.
Auch eine anschließende Austrogung der atlantischen Frontalzone wird in etwas schwächerer Form simuliert. Dabei wird zwar am Pfingstmontag (korrigiert, Franz) der Hauptanteil des KLT vom Trog aufgenommen, ein Rest wird jedoch nach Lesart bei EZ abgetrennt und in den westl. Mittelmeerraum abgedrängt.  Beiden Modellen gemeinsam ist die Berechnung eines kräftigen Skandinavienhochs. Vom Wettertrend ab Pfingstmontag lassen sich keine großen Unterschiede ausmachen. Frühsommerlich warm und nicht stabil:

15.05.2018.ECM1-168

Aktualisierung folgt!

4 Gedanken zu „Landregen beendet die Trockenheit; durchwachsenes Pfingstwetter“

  1. Guten Morgen Franz,
    danke für deine tollen Berichte und Analysen. Diesmal bin ich aber mit 2 Sätzen nicht zufrieden :-):
    Was für viele Gebiete im S und SO des Landes mittlerweile zu viel des Guten ist, bedeutet für den W, N und O eine Beendigung der herrschenden Trockenheit. Für letztere Gebiete ist der Landregen Goldes wert.
    Bei uns in Oberösterreich (Zentralraum, Innviertel und Mühlviertel) haben diese paar mm (<5) die herrschende Trockenheit nicht beendet. Wir im Mühlviertel werden in den letzten Jahren immer öfter vom Regen ausgelassen, es droht in den nächsten Jahren eine Steppenlandschaft (lt. Bernhard Niedermoser-ZAMG Sbg.)
    Freue mich trotzdem auf deine weiteren, sehr informativen Beiträge.

    Danke und lg aus Freistadt
    Daniel

    1. Servus Daniel,
      danke für deinen berechtigten Einwand.

      Dass Mühl- und Waldviertel niederschlagsärmer werden, ist meines Erachtens eine Folge des Klimawandels. Meridionale Wetterlagen nehmen zu, die für dein Gebiet regenbringenden Westwetterlagen werden seltener.

      Die von mir etwas zu pauschal angekündigte Beeendigung der Trockenheit ist in den von dir genannten Gebieten nicht eingetreten. Da hast du mit deiner Kritik natürlich recht. Bald nach Erstellung meiner Prognose ist mir gestern meine Fehleinschätzung der Vb-ähnlichen Wetterlage hinsichtlich NS-Mengen nördlich der Alpen bewußt geworden.Sonst hats gepasst.
      Bei einer astreinen Vb-Entwicklung verlagert sich das Genuatief über die Adria, wo es weitere Feuchtigkeit tankt. Bei seiner weiteren Verlagerung über Ungarn nach Polen wird in der Regel eine herumgeführte Okklusion mit erheblichem NS aus nördlicher Richtung an die Alpen gesteuert.
      Im aktuellen Fall hat das Genuatief den direkten Weg über die Alpen in Richtung Polen genommen. Entsprechend geringer war das Feuchteangebot über Land und das resultierende NS-aufkommen.
      Man lernt eben nie aus und das Chaos der Atmosphäre ist sowieso immer für Überraschungen gut. Andernfalls wäre Wetter nicht spannend 😉
      Ich freue mich über weitere kritische Kommentare von dir 🙂

      LG, Franz

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