Archiv der Kategorie: Wetterrückblick / Fallstudien (Wetterblog)

Die Alpengletscher haben ein Ablaufdatum, veranschaulicht an der Pasterze

Die Erderwärmung und die daraus entstandene globale Klimakrise ist die größte Herausforderung für die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten. Besonders betroffen vom aktuellen Klimawandel sind die Alpen, wo die Folgen an dem immer rascheren Rückgang der Gletscher für jedermann sichtbar werden. Als leidenschaftlicher Hobbybergsteiger bin ich regelmäßig im hochalpinen Gebiet unterwegs. Viele Touren, die früher über Eis und Firn führten, sind heute wegen der Steinschlaggefahr nicht mehr oder nur über Schutt und Geröll möglich. Es ist für mich erschütternd und traurig mit anzusehen, wie rasch sich das alpine Landschaftsbild verändert.

Wie dramatisch die Auswirkungen des Klimawandels in den Alpen sind, möchte ich am Beispiel des noch größten Alpengletschers Österreichs, der Pasterze, und deren kontinuierlichen Zerfall in den letzten Jahrzehnten anschaulich zeigen.

Einleitend mache ich einen kurzer Blick über den Tellerrand

– mit der erdgeschichtlichen Temperaturentwicklung,
– den recht menschenfreundlichen Temperaturen im Holozän und
– den Ausblick auf  die nächsten Jahrzehnte.

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Die Pasterze 2021: unaufhaltsamer Gletscherrückgang und -zerfall

Am Fuße des Großglockners erstreckt sich der größte Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Obwohl die Winterniederschläge, die in den Gletscherregionen ausschließlich als Schnee fallen,  in den letzten  Jahren z.T. das  langjährigen Mittel übertrafen, setzt sich in den überdurchschnittlich warmen  Sommern der Abschmelzprozess auf fast allen Gletschern der Alpen, und damit auch auf der Pasterze, auf  hohem Niveau fort. Die anthropogen verursachte Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung beträgt in den Alpen mittlerweile 2 K. Als Folge steigt die Schneefallgrenze in den Sommern und der NS fällt auch im Nährgebiet der Gletscher oft als Regen. Dies reduziert  im Nährgebiet den Schneezuwachs im Sommer und damit  die notwendige  Bildung von Gletschereis als Nachschub für das Zehrgebiet der Gletscher. Gelangt weniger Gletschereis ins Zehrgebiet, nimmt dort der Masseverlust überproportional zu.
Anders ausgedrückt: der Gleichgewichtszustand zwischen Nährgebiet und Zehrgebiet verschiebt sich immer weiter nach oben.
Dies kommt nicht nur in den Zahlen der jährlichen Längenreduktion der Gletscherzunge der Pasterze (ca. 50m 2019/2020) zum Ausdruck, sondern äußert sich über mehrere Jahre gesehen auch durch markante optische Veränderungen der Pasterze (Bilder im Beitrag). Z.B.: eisfrei werdende Felsbereiche, Zerteilung von Gletschern, Anreicherung von Schutt an den Gletscheroberflächen, Schuttmoränen, Bildung von Seen.

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Mögliche Ursache für das unterkühlte und recht trübe Frühjahr

Das Frühjahr 2021 wird als eines der kältesten in den letzten Jahrzehnten in die Klimastatistik eingehen. Auf eine mögliche und für mich plausible mitverantwortliche Ursache werde ich weiter unten im Beitrag eingehen. Mir ist es aber ein  großes Anliegen zu erwähnen, dass nun, wie man es in den Massenmedien immer wieder liest, der Klimawandel an keinem Wendepunkt angelangt und abgesagt ist.  Das ist kurzweg reiner Populismus und falsch! Kalte Ausreißer mit unterkühlten Wetterperioden über mehrere Wochen oder auch eine gesamte Jahreszeit gibt und gab es immer wieder und sind kein Widerspruch zum Klimawandel. Das Wetter (der kurzfristige Zustand der Atmosphäre über einem topografischen Gebiet) wurde in ME in den Monaten April und Mai 2021 durch eine ungewöhnlich persistente Erhaltungsneigung der Druckstrukturen in der Atmosphäre bestimmt, wie es in klimatischen Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten nur selten vorkommt. Für Rückschlüsse auf das Klima ist ein derartiges Einzelereignis nicht geeignet. Der Klimawandel findet außerdem global statt und schreitet ungebremst voran. 

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Winterrückblick 2020/2021 und Verifikation meiner Winterprognose

Das Zusammenspiel von Topografie und Wetterlagen gestaltete den vergangenen Winter in Österreich höchst unterschiedlich.
Schneemassen an der Alpensüdseite, Trockenheit im N, Sonnenarmut in den Niederungen, Sonnenreichtum auf den Bergen,  Extreme Kälte gefolgt von Rekordwärme, Saharastaub ……

Die unterschiedliche Ausbeute bei der Sonnenscheindauer ist den häufigen Nebellagen bei Hochdruckeinfluss geschuldet.
Die ungleiche NS-Verteilung resultiert vor allem aus intensiven Tiefdruckaktivität im Mittelmeerraum im Frühwinter mit den verbundenen intensiven Südstau, während die Alpennordseite trocken blieb.
Knackige winterliche Temperaturen waren in den ersten beiden Wintermonaten „hausgemacht“ durch Abstrahlung in  schneebedeckten Tälern.

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Jahresrückblick auf das Wetterjahr 2020 (global, regional, lokal)

Dass sich der anthropogen verursachte Klimawandel in einem Teufelskreis befindet, hat das Jahr 2020 wieder deutlich gezeigt.  Unbeeindruckt von der durch die Covid19-Krise reduzierten CO2-Ausstoß stieg er Gehalt des langlebigen Treibhausgases in der Atmosphäre weiter an, obwohl  der weitweite Ausstoß von Kohlendioxid aus Verbrennung von Kohle, Öl und Gas 2020  um sieben Prozent im Vergleich zu 2019 zurückgegangen ist.  Im Jahresmittel wird der Gehalt langlebiger Treibhausgase in der Atmosphäre voraussichtlich den neuen Rekordwert von 412 ppm (parts per million) erreichen. 
Die globale Erwärmung setzt sich somit trotz „angezogener Handbremse “ fort. Die WMO (World Meteorologic Organization) geht davon aus, dass 2020 eines der drei wärmsten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen wird.

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Sommerrückblick 2020

Der Sommer 2020 hat sich gefühlt recht durchschnittlich präsentiert, zumindest wenn mann ihn mit den letzten Sommern vergleicht. Einem wechselhaften Juni und Juli ohne länger anhaltender Hitzewelle, stand erst ein zumindest zeitweise heißer August. Die Regenmengen fielen überdurchschnittlich aus und haben das NS-Defizit vom Frühjahr wettgemacht.
Die Siebenschläferregel hat sich im Wesentlichen wieder bestätigt.

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Einem zu trockenen, warmen und sonnigen April folgt ein unbeständiger Maibeginn

Lt. Monatsbilanz der ZAMG war der April 2020 in den Niederungen einer der 15 wärmsten Aprilmonate der Messgeschichte, auf den Bergen sogar der viertwärmster April. Außerdem bilanziert der April als zweitsonnigster April der Messgeschichte und einer der 15 trockensten
An meiner Messstation in Thenneberg waren vor allem die häufigen Morgenfröste (Tmin -8 °C zu Monatsbeginn, oftmals zwischen -2 °C und -4 °C) und die extreme Trockenheit (weniger als 20mm NS im gesamten April) außergewöhnlich.

Der Abgang des April fügte sich, wie die folgenden Bilder der letzten Tage aus dem Oberen Triestingtal zeigen, nahtlos in dieses Muster ein:

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Rückblick auf Sturmtief YULIA

In der Nacht von So auf Mo querte  das Sturmfeld des in die Frontalzone eingebetteten Schnellläufertiefs YULIA. In meiner Wochenprognose habe ich auf das Wetterereignis hingewiesen und  auch im Oberen Triestingtal mit Sturmböen über 100km/h gerechnet. Der Sturm war zwar ruppig, aber nicht ganz so heftig wie befürchtet.

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Halbzeit des meteorologischen Winters (Rückblick und Ausblick)

Wie ein Fußballspiel hat auch der Winter zwei Hälften. Halbzeit ist heute und ich nutze dies zu einem Rückblick und einen kurzen spekulativen Ausblick auf eine hoffentlich interessantere und winterfreundlichere zweite Hälfte.

Zusammenfassend war die erste Winterhälfte österreichweit viel zu mild, zu trocken und damit auch im Gebirge schneearm. Die ausgeprägte Erhaltungsneigung  eines zonalem Zirkulationsmusters  mit einer häufig nördlich verlaufenden Frontalzone führte im Alpenraum zu einer Dominanz des antizyklonalen Einflusses (siehe weiter unten) mit Höhenwarmluft (Beitragsbild von gestern) und mit überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer, vor allem über der inversionsanfälligen Grundschicht.

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