Archiv der Kategorie: Langfristprognosen / Klima (Wetterblog)

Ein Blick durch die Glaskugel und in die Stratosphäre: Umstellung des Zirkulationsmusters beendet die Westwetterlagen

Der Trend zum Aufbau eines  autarken Hochdruckgebietes am Beginn der zweiten Märzhälfte über großen Teilen Europas wird von den Modellen in verschiedenen Variationen seit Tagen simuliert und wird damit immer wahrscheinlicher. Diese Entwicklung bewirkt eine Blockade der atlantischen Frontalzone.  Noch ist die exakte Achslage des Hochs nicht belastbar vorhersagbar, aber die Tage der seit Anfang des Jahres andauernden Westlagen sind damit gezählt. Der kalendarische Frühling beginnt voraussichtlich mit einer ruhigen antizyklonal geprägten Wetterlage. Abhängig von der Anströmung werden die Temperaturen frühlingshaft mild oder etwas gedämpft mit Potential für Morgenfrost (Zufuhr kühler Kontinentalluft) sein.   Mit der fortschreitende saisonale Erwärmung durch die Zunahme des Sonnenstandes wird eine mögliche advehierte kältere Lufmassen aus N oder NO in den Niederungen keinen Winter mehr machen.

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Kein nachhaltiger Kaltlufteinbruch in Sicht, aber in die Stratosphäre kommt Bewegung

Der Jänner 2020 weist bis jetzt einen ähnlich hohen Temperaturüberschuss wie der Dezember 2019 auf. Betrachtet man das prognostizierte Druck- und Zirkulationsmuster für Mitteleuropa bis Ende des Monats (EZ, GFS, etc), so wird sich bis Ende Jänner daran wenig ändern, auch wenn es in geschützten Lagen in den nächsten Tagen inversionsbedingt winterlich kalt bleibt. Dies wird durch die milden Temperaturen in der Höhe mehr als kompensiert. Und wenn ein Kaltfrontausläufer in der Höhe Abkühlung bringt, so bewirkt dieser gleichzeitig in der Grundschicht eine Durchmischung mit Ausräumen der Kaltluftseen und Temperaturanstieg (maskierte Kaltfront).

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Halbzeit des meteorologischen Winters (Rückblick und Ausblick)

Wie ein Fußballspiel hat auch der Winter zwei Hälften. Halbzeit ist heute und ich nutze dies zu einem Rückblick und einen kurzen spekulativen Ausblick auf eine hoffentlich interessantere und winterfreundlichere zweite Hälfte.

Zusammenfassend war die erste Winterhälfte österreichweit viel zu mild, zu trocken und damit auch im Gebirge schneearm. Die ausgeprägte Erhaltungsneigung  eines zonalem Zirkulationsmusters  mit einer häufig nördlich verlaufenden Frontalzone führte im Alpenraum zu einer Dominanz des antizyklonalen Einflusses (siehe weiter unten) mit Höhenwarmluft (Beitragsbild von gestern) und mit überdurchschnittlicher Sonnenscheindauer, vor allem über der inversionsanfälligen Grundschicht.

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Winterprognose 2019/2020

Betrachtet man die Langfristmodelle der anerkannten Meteodienstleister, so gibt es keinen Zweifel über den Verlauf des heute begonnenen meteorologischen Winters im Alpenraum:
mild und feucht.
Unisono kommen die auf Hochleistungsrechner basierenden meteorologischen Langfristmodelle zu diesem Ergebnis. Dass in Zeiten des anthropogen verursachten Klimawandels mit einem Temperaturanstieg von 2 K (deutlich über dem Mittel von 1 K global) seit Beginn der Industrialisierung die Wahrscheinlichkeit für einen (Super-)Mildwinter ungleich höher ist, als für einen „normalen“ Winter mit längeren Abschnitten mit Schnee und Frost bis in die Niederungen, ist nicht verwunderlich. Trotzdem glaube ich, dass die meteorologischen Prognosesysteme, die klimatologischen Rahmenbedingungen und die Kopplung Troposphäre-Stratosphäre mangels ausreichend langer Beobachtungszeitreihen unterbewerten, nicht der Weisheit letzter Schluss sind. Amerikanische Atmosphärenwissenschaftler, die die klimatologische Rahmenfaktoren und die Wechselwirkung des stratosphärischen PW (Polarwirbels) mit der Troposphäre – wie ich es auch in meinen letzten Winterprognosen auf empirische Weise gemacht und erklärt habe – in eigenen Prognosemodellen analysieren und für die Winterprognose berücksichtigen, kommen zu abweichenden Ergebnissen.

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Korrektur meiner letzten Wochenprognose und aktuelle Wintereinschätzungen

Die prognostizierte schwache Kaltfront mit leichtem Regen hat sich an die Alpennordseite gelegt und die ungewöhnlich warmen Oktobertage beeendet. Auch im Wienerwald und dem Oberen Triestingtal  hat es zu regnen begonnen. In der einfließenden Kaltluft aus N wird die noch  recht milde Morgentemperatiur von 10 °C jetzt um 06:00 in der Früh am meiner Messstation tagsüber nicht mehr ansteigen.

Die letzten Modellrechnungen erfordern eine kleine Korrektur meiner Wochenprognose von Sa in der Früh für die Alpensüdseite und Allerheiligen.

Meine ersten Überlegungen zum kommenden Winter sind noch sehr oberflächlich und am Ende des Beitrags angeführt.

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Juni mit Rekordpotential bei Temperaturüberschuss und Niederschlagsdefizit

Nach dem unterkühlten Mai mit einer negativen Temperaturabweichung vom 2,8 K von der klimatologischen Mitteltemperatur (1981-2010) bezogen auf das österreichische Flächenmittel, schlägt das Pendel im Juni in die andere Richtung aus.

Aktuell liegt der Juni 2019 mehr als  4,5 K über dem langjährigen Mittel:

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Der Mai 2019 könnte die längste Serie der zu warmen Monate beenden

Die 13 Monate von April 2018 bis April 2019 wiesen, bezogen auf das Klimamittel 1981-2010, allesamt einen Temperaturüberschuss auf. Dies ist die längste Serien aufeinanderfolgender überdurchschnittlich warmer Monate seit Beginn der Messgeschichte der ZAMG. 
Siehe dazu auch ZAMG-Klimanews.

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Wochenprognose und weiterer Trend: Winter auf Rückzug

Die Schneenmengen, die derzeit in höheren Lagen und auf den Bergen der Ostalpen liegen, sind weder in der kommenden Woche noch in weiterer Folge gefährdet. Mit der Überschrift will ich lediglich andeuten, dass zumindest bis Mitte des Monats Februar kein winterlicher Wetterabschnitt mit Frost und Schnee bis ins Flachland zu erwarten ist und vom Trend her auch nicht über den erweiterten Mittelfristzeitraum hinaus.

Warum ich das glaube, versuche ich nachfolgend zu erklären. Eingebettet in die synoptischen Ausführungen ist auch die grobe Prognose für die kommende Woche mit meiner Einschätzung der weiteren Entwicklung.

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Weiterhin unbeständiges Winterwetter

Die Aufwölbungsversuche des Azorenhochs werden immer wieder zunichte gemacht. Geschuldet ist dies dem riesigen polaren Kaltluftreservoir über NO-Kanada. Diese Kaltluftmassen dienen der Tiefdruckproduktion über dem NW-Atlantik (zwischen Neufundland und Südgrönland) als Nahrung. Sie gelangen laufend auf den NW-Atlantik, heizen dort die Tiefdrucktätigkeit an und bewirken eine dynamisch aktive  nördliche Frontalzone, die allfällige Aufwölbungen des Azorenhochs rasch überläuft und über Island bis Skandinavien verläuft. Damit bleibt der atlantisch Einfluss über ME aufrecht.
Ein neuer „player“ bei den Druckgebilden betritt nun die Bildfläche (bezogen auf die Geopotentialkarten): das Azorenhoch bekommt mit einem Kontinentalhoch einen Gegenspieler. Es blockiert die Frontalzone bei ihrer Progression nach O und zwingt sie nach N oder S auszuweichen. Über WE/ME sind deshalb in nächster Zeit Abtropfvorgänge – ähnlich wie heute Mi – ins Mittelmeer zu erwarten. Der damit verbundene zyklonale Wettercharakter wird sich in einem Wechsel von etwas milderen maritimen ( zarte Plusgrade in den Niederungen) und kälteren kontinentalen  (leichter Dauerfrost) Luftmassen äußern. Der Berglandwinter bis in die Alpentäler ist weiterhin garantiert, eine länger anhaltende Schneedecke im Flachland oder Donauraum ist zumindest im Jänner unwahrscheinlich.

Ich rechne damit, dass die Troposphären-Stratosphären-Troposphären Kopplung, die ausgehend von der Troposphäre ein Major Warming gefolgt von einem PW-Splitt in der Stratosphäre ausgelöst hat, spätestens im Februar Wirkung in der Troposphäre, wo sich unsere Wetterküche befindet, zeigt. Ein Störung des PW und der Zirkulation könnte die Karten neu mischen.

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