Archiv der Kategorie: Wetterrückblick / Fallstudien (Wetterblog)

Wochenprognose: bis Wochenmitte (spät-)sommerlicher Charakter, danach unbeständiger und kühler

Der zu Ende gegangene Sommer 2022 war der viertwärmste in der 255-jährigen Messgeschichte der ZAMG. Er reiht sich damit  in die viel zu warmen Sommer dieses Jahrhunderts ein und bestätigt die rapide fortschreitende anthropogen verursachte globale Erwärmung.   Erschreckend sind die Folgen im alpinen Raum. Auch heuer konnte ich dies am rasanten Gletscherschwund  in den Alpen am Beispiel des Taschachferners in den Ötztaler Alpen beobachten. Weitere Auffälligkeiten waren die extreme Trockenheit, die nur durch kurze Starkregenerreignisse unterbrochen wurde,  und die überdurchschnittliche Sonnenscheindauer. Bei einem gemittelten Temperaturanstieg von 3,4 K bezogen auf die Klimareferenzperiode ist dies nicht verwunderlich.  Die Attributionsforschung im Klimabereich geht davon aus, dass diese Wetterphänomene in Zukunft zur Regel werden.
Die vorläufige detaillierte Sommerbilanz der ZAMG findest du hier

Überdurchschnittlich warm verlaufen auch die kommenden Tage.

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Kurzer Rück- und Ausblick: Es bleibt hochsommerlich!

Entgegen den Einschätzungen in meinen letzten Analysen, wird die aktuelle Hitzewelle vor allem im O länger anhalten. Flächendeckender Regen ist weiterhin nicht in Sicht. Derzeit ist die subtropische Hitze – zumindest bei ausreichend Grünland – noch erträglich, da die Luftmasse  recht trocken ist. Das wetterbestimmende sommerliche Hochdruckgebiet begünstigt einen enormen Tagesgang. In den Nächten kühlt die trockene Luft  stark ab, tagsüber erwärmt sie sich um mehr als 20 K.
An meiner Messstelle lag in den letzten 2 Tagen (Mo und Di) die Temperaturspanne bei ungetrübten Sonnenschein zwischen 7°C (am Morgen) und 29°C (am Nachmittag) bzw. 9°C und 32°C. In dieser Gangart wird es auch heute Mi weitergehen, wobei ich nach knapp 11°C jetzt am Morgen ein Tmax von ca. 35°C erwarte. 
Die kommenden Tage bis zum Wochenende bleiben vor allem im O/SO hochsommerlich warm. Aus W erreichen die Ostalpen aber labilere und damit wolkenreichere atlantische Luftmassen und damit kühlt es im W und im Bergland leicht ab. Das Schwüleempfinden erhöht sich damit deutlich und die Nächte werden in den Niederungen des O und in den Ballungszentren teilweise tropisch, d.h. die Temperatur sinkt nicht mehr unter 20°C.

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Final Warming des PW mit Kälte, Schnee und Regen zu Aprilbeginn

Der Wetterwechsel findet wie angekündigt statt. Er ist nicht nur nachhaltig, er wird von einem Wettersturz mit einem spätwinterlichen Start des April eingeleitet. Erst in der kommenden Woche ist ein zaghafter Temperaturanstieg mit langsamer Wetterberuhigung – noch unsicher! – zu erwarten. Strengen Morgenfrost könnte es am Mo geben, an dem die eingeflossene Polarluft unter Zwischenhocheinfluss gerät.

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Rückblick auf den Winter 2021/2022

Die wesentlichen Merkmale des vergangenen Winters (Dezember, Jänner, Februar)waren:
deutlich zu mild, turbulent mit Sturmereignissen, wenig Schnee in den Niederungen, vor allem im S und O zu trocken, Berglandwinter ab Ende Jänner nördlich der Alpen.

Die Hauptursache orte ich in einem ungewöhnlich kalten und durch kräftige Zonalwinde zentrierten stratosphärischen PW (Polarwirbel), der sich den gesamten Winter über resistent gegenüber Störungen erwies. Es gab keine SSW´s (sudden stratospheric warming) mit die Auswirkungen/Störungen auf die Zirkulation in der Troposphäre:

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Jahresrückblick auf das Wetterjahr 2021

Global hat sich der langjährigen Trend mit deutlicher Erderwärmung auch 2021 fortgesetzt. 2021 reiht sich unter die sieben wärmsten Jahren seit 1850 ein.

Bezogen auf Österreich war 2021 nach der vorläufigen Auswertung der ZAMG zwar das kühlste Jahr seit 2010, aber dennoch unter den 25 wärmsten der 254-jährigen Messgeschichte.

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Die Alpengletscher haben ein Ablaufdatum, veranschaulicht an der Pasterze

Die Erderwärmung und die daraus entstandene globale Klimakrise ist die größte Herausforderung für die Menschheit in den nächsten Jahrzehnten. Besonders betroffen vom aktuellen Klimawandel sind die Alpen, wo die Folgen an dem immer rascheren Rückgang der Gletscher für jedermann sichtbar werden. Als leidenschaftlicher Hobbybergsteiger bin ich regelmäßig im hochalpinen Gebiet unterwegs. Viele Touren, die früher über Eis und Firn führten, sind heute wegen der Steinschlaggefahr nicht mehr oder nur über Schutt und Geröll möglich. Es ist für mich erschütternd und traurig mit anzusehen, wie rasch sich das alpine Landschaftsbild verändert.

Wie dramatisch die Auswirkungen des Klimawandels in den Alpen sind, möchte ich am Beispiel des noch größten Alpengletschers Österreichs, der Pasterze, und deren kontinuierlichen Zerfall in den letzten Jahrzehnten anschaulich zeigen.

Einleitend mache ich einen kurzer Blick über den Tellerrand

– mit der erdgeschichtlichen Temperaturentwicklung,
– den recht menschenfreundlichen Temperaturen im Holozän und
– den Ausblick auf  die nächsten Jahrzehnte.

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Die Pasterze 2021: unaufhaltsamer Gletscherrückgang und -zerfall

Am Fuße des Großglockners erstreckt sich der größte Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Obwohl die Winterniederschläge, die in den Gletscherregionen ausschließlich als Schnee fallen,  in den letzten  Jahren z.T. das  langjährigen Mittel übertrafen, setzt sich in den überdurchschnittlich warmen  Sommern der Abschmelzprozess auf fast allen Gletschern der Alpen, und damit auch auf der Pasterze, auf  hohem Niveau fort. Die anthropogen verursachte Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung beträgt in den Alpen mittlerweile 2 K. Als Folge steigt die Schneefallgrenze in den Sommern und der NS fällt auch im Nährgebiet der Gletscher oft als Regen. Dies reduziert  im Nährgebiet den Schneezuwachs im Sommer und damit  die notwendige  Bildung von Gletschereis als Nachschub für das Zehrgebiet der Gletscher. Gelangt weniger Gletschereis ins Zehrgebiet, nimmt dort der Masseverlust überproportional zu.
Anders ausgedrückt: der Gleichgewichtszustand zwischen Nährgebiet und Zehrgebiet verschiebt sich immer weiter nach oben.
Dies kommt nicht nur in den Zahlen der jährlichen Längenreduktion der Gletscherzunge der Pasterze (ca. 50m 2019/2020) zum Ausdruck, sondern äußert sich über mehrere Jahre gesehen auch durch markante optische Veränderungen der Pasterze (Bilder im Beitrag). Z.B.: eisfrei werdende Felsbereiche, Zerteilung von Gletschern, Anreicherung von Schutt an den Gletscheroberflächen, Schuttmoränen, Bildung von Seen.

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Mögliche Ursache für das unterkühlte und recht trübe Frühjahr

Das Frühjahr 2021 wird als eines der kältesten in den letzten Jahrzehnten in die Klimastatistik eingehen. Auf eine mögliche und für mich plausible mitverantwortliche Ursache werde ich weiter unten im Beitrag eingehen. Mir ist es aber ein  großes Anliegen zu erwähnen, dass nun, wie man es in den Massenmedien immer wieder liest, der Klimawandel an keinem Wendepunkt angelangt und abgesagt ist.  Das ist kurzweg reiner Populismus und falsch! Kalte Ausreißer mit unterkühlten Wetterperioden über mehrere Wochen oder auch eine gesamte Jahreszeit gibt und gab es immer wieder und sind kein Widerspruch zum Klimawandel. Das Wetter (der kurzfristige Zustand der Atmosphäre über einem topografischen Gebiet) wurde in ME in den Monaten April und Mai 2021 durch eine ungewöhnlich persistente Erhaltungsneigung der Druckstrukturen in der Atmosphäre bestimmt, wie es in klimatischen Zeiträumen von mehreren Jahrzehnten nur selten vorkommt. Für Rückschlüsse auf das Klima ist ein derartiges Einzelereignis nicht geeignet. Der Klimawandel findet außerdem global statt und schreitet ungebremst voran. 

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Winterrückblick 2020/2021 und Verifikation meiner Winterprognose

Das Zusammenspiel von Topografie und Wetterlagen gestaltete den vergangenen Winter in Österreich höchst unterschiedlich.
Schneemassen an der Alpensüdseite, Trockenheit im N, Sonnenarmut in den Niederungen, Sonnenreichtum auf den Bergen,  Extreme Kälte gefolgt von Rekordwärme, Saharastaub ……

Die unterschiedliche Ausbeute bei der Sonnenscheindauer ist den häufigen Nebellagen bei Hochdruckeinfluss geschuldet.
Die ungleiche NS-Verteilung resultiert vor allem aus intensiven Tiefdruckaktivität im Mittelmeerraum im Frühwinter mit den verbundenen intensiven Südstau, während die Alpennordseite trocken blieb.
Knackige winterliche Temperaturen waren in den ersten beiden Wintermonaten „hausgemacht“ durch Abstrahlung in  schneebedeckten Tälern.

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