Was in meinen letzten Analysebeiträgen wiederholt zum Ausdruck kam, wird in den akltuellen Simulationen sämtlicher gängiger Wettermodelle bekräftigt:
der Winter findet derzeit über Nordamerika statt, während im Alpenraum frühlingshafte Verhältnisse das Wettergeschehen prägen.
Solange sich das Zirkulationsmuster, dass sich nach der sPW-Störung (stratosphärischer Polarwirbel) im November mit der Platzierung des steuernden tPW-Fragments troposphärischer Polarwirbel) über der kanadischen Arktis ausgebildet hat, nicht grundlegend ändert, kann/wird sich über dem europäischen Kontinent kein winterlicher Wetterabschnitt einstellen. Mit dem herrschenden „arctic outbreak/Polarexpress“ gelangt arktische Kaltluft nach Kanada und in den NO der USA und erreicht in weiterer Folge über Neufundland den warmen NA. Mit großräumigem Aufsteigen der Luftmasse werden über dem NW-Atlantik laufend Sturmtiefs induziert, die eine NO-liche Zugbahn einschlagen und an ihrer Vorderseite subtropische Warmluftwellen in Richtung europäischen Kontinent steuern. Dabei dominiert Hochdruckeinfluss (GWL SWa).
Der aktuelle Vertikalschnitt des PW zeigt das Zentrum des tPW über der kanadischen Arktis:
Quelle: stratobserve
Da sich an dieser Konstellation bis zu den Weihnachtstagen vorraussichtlich nichts Grundlegendes ändern wird, erwarte ich im Alpenraum die Fortsetzung des weitgehend langweiligen und überwiegend milden Witterungsabschnitts.
Sehr mild wird es dabei bei fehlender Dynamik und gradientenschwachen und oft antizyklonal geprägten Verhältnissen auf den Bergen, während sich in der entkoppelten Grundschicht unterhalb einer Inversion bodennahe Kaltluft mit teils beständigen Nebel/Hochnebel und leichtem Frost ausbildet.
Die nachfolgenden exemplarischen Karten mit der 500hPa-Geopotential-/Druckstruktur bzw. 850hPa-Temperaturen vom aktuellen GFS-Modelllauf für Anfang kommender Woche und die beginnenden Weihnachtstage zeigen das eingefahrene Zirkulationsmuster mit dem steuernden PW-Fragment über Nordkanada, dem winterlichen Nordamerika und frühlingshaften Alpenraum:
Das seit längerem eingefahrene Wettermuster wiederholt sich bis auf weiteres immer wieder: Kaltluftvorstöße auf dem NA induzieren kräftige Tiefdruckgebiete, die an der Progression auf den europäischen Kontinent blockiert werden. Die Folge sind abtropfende Tröge, an deren Vorderseite extrem milde Luftmassen subtropischen Ursprungs zu den Alpen gelenkt werden.
Meiner Meinung nach braucht es für eine nachhaltigen Änderung des eingefahrenen Zirkulationsmusters entweder einen Durchbruch des Atlantiks oder WLA (Warmluftadvektion) weiter im W mit der Aufwölbung eines Rückens vor der europäischen Atlantikküste. Ersteres ist zwar auch zunächst mit mit milden Westwindwetter verbunden, danach werden die Karten aber neu gemischt und der Winter bekommt zumindest im Bergland eine Chance. Im zweiten Szenario könnte ein „downstream development“ eine winterliche Wetterphase über ME einleiten.
Ein drittes Szenario wäre ein Nordmeer-/Skandinavienblocking, das das europäische IFS im erweiterten Mittelfristzeitraum zeigt. In diesem Fall trockene und kalte Kontinentalluft aus dem Sektor O zu den Alpen gesteuert. Das wäre zwar Winterwetter, aber ohne Schnee.
Alle drei Optionen sind derzeit noch Fantasieszenarien!
Mein Resümee:
In den kommenden 10 Tagen setzt sich das unwinterliche Wetter mit Sonne und trotz Temperaturrückganges zu milden Temperaturen auf den Bergen und feuchtkühlen Nebellagen in vielen Niederungen fort. Ob und wie sich danach die GWL entwickelt ist noch Spekulation. Schnee zu Weihnachten in den Niederungen ist aber höchst unwahrscheinlich!
p.s.: Wenn der Winter auf Tauchstation geht, muss das Fotoarchiv herhalten (Beitragsbild; Glorie am Schneeberg).


