Zuckerbrot und Peitsche

Das Übergangswetter vom Winter zum Frühjahr gestaltet sich in Wochenfrist weiterhin unbeständig und wechselhaft. Die atlantische Frontalzone mit einem Trog-Rückenmuster reicht von Neufundland über den Nordatlantik bis Russland und beeinflusst auch ME mit einem turbulenten Wechsel von Zwischenhoch gepaart mit  milder Vorderseite (heute Mo und morgen Di),  Kaltfront (Di/Mi), Trogpassage (Mi), kühle zunehmend antizyklonale Rückseite (Do) gefolgt vom nächsten Zwischenhoch (ab Fr).
Die nächste Kaltfront mit anschließender Austrogung und Abschnürung in den Mittelmeerraum kündigt sich dann für kommenden So und Mo an.

 

Am Verlauf des Jetstreams, der das Zirkulationsmuster mit der atlantischen Frontalzone markiert, ist das Trog-Rückenmuster in den kommenden Tagen schön zu erkennen.

Heute Mo:

27.02.2017.jet.gfs-5-6

 

Kommender Mi:

27.02.2017.jet.gfs-5-60

 

Der bis Oberitalien reichende Trog am kommenden Mi ist mit hochreichender konvektionsfördernder Kaltluft gefüllt. Graupelschauer bis in die Niederungen würden mich nicht überraschen:

27.02.2017.gfs-13-60

 

Kommender Fr:

27.02.2017.jet.gfs-5-108

 

Nächster Mo:

27.02.2017.jet.gfs-5-180

 

Der Grund für dieses zonal geprägte Westwetter wird aus der aktuellen der Druckverteilung über der NH ersichtlich.
Die  exemplarisch dargestellte  simulierte Druckstruktur des amerikanischen GFS für morgen zeigt ein mächtiges Hochdruckgebiet über dem Gebiet östlichstes Sibirien/Beringsee/Aleuten.
Auf der NH erfolgt die Zirkulation um Hochdruckgebiete im Uhrzeigersinn, was in diesem Fall Kaltlufttransport über den Nordpol nach N-Kanada bewirkt. Diese kalten Luftmassen erreichen über die Davisstraße in weiterer Folge den warmen Atlantik und führen dort laufend zu Tiefdruckentwicklungen: 

27.02.2017.gfsnh-0-36

 

Dieser dynamische Wetterabschnitt mit dem eingangs beschriebenen wechselhaftem Wettercharakter bleibt in Wochenfrist erhalten.
Danach deutet sich eine GWL-Umstellung an. Die von GFS berechnete Druckstruktur der NH zu Beginn kommender Woche ist in nachfolgender Geopotentialkarte dargestellt.
Zugegeben, das sieht auf den ersten Blick verwirrend aus, aber eine tendenzielle Entwicklung lässt sich daraus ablesen.
Über dem Nordpol und Nordkanada haben sich in Bodennähe Hochdruckgebiete ausgebildet. Der Kaltluftstrom auf dem Atlantik wird dadurch eingebremst. Die Dynamik der Frontalzone nimmt deutlich ab, wodurch über Skandinavien der LD ansteigt. 
Über dem Mittelmeer befinden sich die Reste des abgeschnürten Troges.  ME liegt dazwischen in einer gradientenschwachen Zone mit einer gemäßigten, für die Jahreszeit typisch temperierten Luftmasse:

27.02.2017.gfsnh-0-180

 

Auch wenn das Azorenhoch weit im Süden positioniert ist, ist für mich eine Brückenbildung (strichliert eingezeichnet) zum hohen LD an der Vorderseite des stationären Tiefs über Südgrönland eine plausible Entwicklungsvariante. Dies würde deutlich ruhigeres aber keinesfalls frühlingshaft mildes Wetter bei uns bedeuten. Der Atlantik wäre blockiert, die resultierende bodennahe kontinentale Strömungskomponente bringt aber um diese Jahreszeit noch keine milden Luftmassen. Dank der Kraft der Sonne würde es mit dem Tagesgang aber trotzdem  angenehm.

Alternativ ist nicht auszuschließen, dass die atlantische Frontalzone eine Lücke zwischen dem Kontinental-/Skandinavienhoch und Azorenhoch findet und genau über WE/ME in den Mittelmeerraum vorstoßen kann. 

 

Die Ensemblerechnung des aktuellen GFS-Modellaufes für den Gitterpunkt „Oberes Triestingtal“ zeigt das Auf und Ab der Temperaturkurve bis weit in den März und jeweil die erhöhten NS-Signale mit den Kaltfronten:

27.02.2017.ens

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