Warm gegen Kalt geht in die nächste Runde

Im konkurrierenden Kampf der Luftmassen hat sich heute die Wärme durchgesetzt und die Inversionswetterlage vorübergehend beendet.

Inversionswetterlagen sind  durch eine Umkehr des vertikalen Temperaturgradienten geprägt ist:
Die oberen Luftschichten sind hierbei wärmer als die unteren.  Warmluft liegt über Kaltluft.

Da die kalte Luft schwerer/dichter ist als die warme Luft, findet zwischen diesen unterschiedlich temperierten Luftmassen oft kein Temperaturaustausch statt. Die warme Luft kann nicht absinken, weil unten die schwere Kaltluft liegt und die Kaltluft kann nicht aufsteigen, da sie zu schwer ist. Die Temperaturinversion wirkt also als Sperrschicht, die den vertikalen Luftmassenaustausch verhindert.

Eine Erosion der bodennahen Kaltluftschicht ist allerdings möglich, wenn eine wärmere Luftströmung längere Zeit über die Kaltluft strömt, sich schrittweise nach unten arbeitet und die bodennahe Kaltluft  im wahrsten Sinne des Wortes erodiert.

Dies kann man auf dem nachfolgenden Foto (aufgenommen gestern Do vom Hocheck) schön erkennen. Die Kaltluftseen im oberen Triestingtal sind bereits verschwunden, in den Tälern des Wienerwaldes sind sie noch vorhanden und am Dunst gut erkennbar, das Wiener Becken und Wien liegen noch im flachen Nebel:

 

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Diese Inversionswetterlage der letzten Tage wurde heute Nacht nachhaltig auf diese Weise für einige Tage beendet. Dabei erfolgte im oberen Triestingtal in der zweiten Nachthälfte ein Temperatursprung um 10 K; von knapp unter dem Gefrierpunkt stieg die Temperatur mit Winddurchbruch auf +8° K.

Der Radiosondenaufstieg von Wien zeigt die flache und extrem ausgebildete Inversion zum Zeitpunkt heute Fr 00:00:

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Die rechte Kurve beschreibt die Temperatur, die in einer Höhe von etwa 400m um über 10 K ansteigt (Inversion).
Die linke Kurve zeigt den Verlauf der Taupunkttemperatur mit der Höhe. Die auffallend  niedrigen Taupunkttemperatur unterhalb 3000m ist charakteristisch für die extrem trockene Luftmasse.

 

Obwohl die Tageshöchtemperatur fast 12°C erreichte, hielt sich der Schnee sowohl am Hocheck als auch in Schattlagen und im Garten recht wacker. Dies ist der extrem niedrigen Taupunkttemperatur geschuldet:

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Auch die Miniatur-Eiskaskaden in der Triesting, die sich während der letzten Tage in der bodennahen Kaltluft bilden konnten, wehren sich tapfer gegen die Wärme:

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Ohne jetzt eine detaillierte Prognose abgeben zu wollen, der Trend lässt sich mit großer Wahrscheinlichkeit wie folgt beschreiben:

Der Kampf der Luftmassen wird sich fortsetzen und in der kommenden Woche wird wieder die Kaltluft die Nase vorne haben.
Mild bleibt es bis zum Wochenende. An der Rückseite einer schwachen Störung, die keine nennenswerten Niederschläge bringt, wird ab kommenden Mo neuerlich ein Schwall kontinentaler Kaltluft zu den Ostalpen geführt. Diese gerät rasch wieder unter Hochdruckeinfluss bei gleichzeitiger Milderung in höheren Lagen.
Eine neuerliche Inversionswetterlage, wie wir sie von den letzten Tagen kennen, wird sich ausbilden. Damit ist der nächste kalte aber schneelose Wetterabschnitt, vermutlich bis über das vierte Adventwochenende hinaus, besiegelt.

Die Hochdruckdominanz mit winterlicher bodennaher Kälte und relativ milden Temperaturen im Bergland ohne Aussicht auf Schnee bleibt bis auf weiteres bestehen.

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