Die Suche nach der Stecknadel (=Schnee) im Heuhaufen (=Nördliche Hemisphäre)

Bis Weihnachten (24.12.2016) schaut die Lage, abgesehen von den schwachen Fronten, die heute und Mitte der Woche den Nordstaulagen wenige cm Neuschnee bringen, recht aussichtslos aus.
Worin liegt die Ursache für diese persistente Wetterlage?
Was ist erforderlich für eine GWL-Umstellung mit Chance nennenswerte Schneemengen?

 

Der Blick auf die Druckstruktur und Geopotentialverteilung der NH zeigt über WE/ME einen markanten Rücken flankiert von Trögen über dem westlichen Nordatlantik und Osteuropa.
Fast spiegelgleich erstreckt sich ein Hochdruckgebiet über Alaska ins Polarmeer. Dieses fungiert nach wie vor als „Kaltluftrutsche“ von Sibirien nach Kanada, von wo die kalten Luftmassen auf den Atlantik ausbrechen und dort die Tiefdruckentwicklung anheizen.  Das europäische Hochdruckbollwerk ist momentan und auch im weiteren Mittelfristzeitraum zu stark, um einen Westdurchbruch zu ermöglichen:

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Wie persistent diese GWL ist, zeigt recht eindruckvoll der Verlauf des Jetstreams.
Dabei handelt es sich um   atmosphärische Starkwindbänder mit einer nahezu horizontalen Strömungsachse in ca. 8000m-10 000m.

Dabei steuert der Polarjetstream,  der polare Kaltluft von wärmeren Luftmassen subtropischen Ursprungs trennt und auf einer Breite von 40° bis 60° verläuft, maßgeblich unser Wettergeschehen. 

Aufgrund der unregelmäßigen Grenze  zwischen Polar- und Subtropenluft verläuft der Polarjetstream nicht immer geradlinig sondern oft mäandrierend, so wie aktuell über Europa.

Der aktuelle Verlauf des Jetstreams zeigt sehr schön, dass der Jetstream einen großen Bogen um WE/ME macht.
Auf der linken, nach Süden ausgebuchteten Seite des Polarjets bilden sich links drehende Tiefdruckgebiete, auf der rechten, nach Norden ausgebuchteten Seite rechtsdrehende Hochdruckgebiete.
Wir liegen auf der rechten Seite der meridionalen Ausbuchtung im Hochdruckgebiet:

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Da der Jetstream meist über Tage recht stabil verläuft, lassen sich daraus recht verlässliche Rückschlüsse auf den weiteren Verlauf der GWL ziehen.

Die nachfolgende Karte zeigt die Situation zu Beginn der dritten Dezemberdekade.
Nach wie vor verläuft der Jetstream in einem großen mäandrierenden Bogen um WE/ME.
Da zwischenzeitlich nach den Simulationen des amerikanischen GFS ein Höhentief zur iberischen Halbinsel abgetropft ist (siehe Geopotentialkarte am Ende des Beitrags) und über Osteuropa nach wie vor ein Höhentrog liegt, kann man von einer Omegalage sprechen:

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Ich möchte auch die zeitgleichen Karten mit den Geopotentialanomalien der NH zeigen.
Sowohl aktuell, als auch- und zwar deutlich verstärkt – am Beginn der dritten Dezemberdekade ist eine positive Anomalie(rote Farbtöne) gerechnet:  

12-12-2016-gfsnh-12-36

12-12-2016-gfsnh-12-204

 

Das Hochdruckwetter hat uns also bis auf weiteres fest im Griff.

 

Die 500hPa-Geopotentialkarte zeigt die oben erwähnte Omegastrucktur mit dem Hochdruckkern über dem nördlichen ME und Baltikum, flankiert von einem Höhentief über Russland und dem abgetropften Tief über der iberischen Halbinsel:

12-12-2016-gfsnh-0-204

 

Fluchtwege aus dieser festgefahrenen Wetterlage und damit eine erfolgreiche Suche nach der im Beitragstitel angesprochenen Stecknadel lassen sich derzeit nur spekulativ erahnen.

Das wahrscheinlichste Szenario für mich ist ein schrittweises Vorarbeiten der atlantischen Frontalzone bis Skandinavien und ein Abdrängen des Hochdruckbollwerkes nach Osten. Damit wäre zwar in den Niederungen eine Milderung und kein Winterwetter verbunden, aber die Chancen auf Schnee im Bergland würden leben.
Und erfahrungsgemäß werden nach einem Westdurchbruch die Karten neu gemischt. Wann dies passiert, lässt sich derzeit aber nicht sagen. 

Alternativ habe ich lange Zeit auf die mittlerweile recht unwahrscheinliche Möglichkeit einer retrograden Verlagerung unseres Hochdruckgebietes nach W auf den Atlantik gesetzt. Damit wären die Ostalpen im Einfluss der kontinentalen Kaltluft geblieben. Ein Szenariao, bei dem wahrscheinlich eher (Rau-)reif als Schnee für ein winterliches Landschaftsbild gesorgt hätten.

 

Aktualisierung folgt!

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