Gammelwetter statt Hochwinter

Weder Winterfreunde, die auf Schnee und Kälte warten,  noch Sonnenhungrige, die sich schon nach dem Frühling sehnen, dürften in der nächsten Woche auf ihre Rechnung kommen.

Die Temperatur passt sich dem jahreszeitlichen Mittel an. Leichte Nachtfröste, knapp über dem Gefrierpunkt tagsüber;  dazu viele Wolken, etwas Sonne, wenig Wind und geringe Niederschlagsneigung.  Am freundlichsten an der leicht föhnigen Alpennordseite.

Bestimmt wird die GWL von einem Langwellentrog  über West- und Mitteleuropa, gestützt vom Azorenhoch im Westen und einem Kontinentalhoch im Osten:

17.01.2015.BK_BodAna_Sat_1501170600

 

An dieser Wetterlage wird sich in den kommenden Tagen nicht viel ädern. Der Trog wird vom Kontinentalhoch  weitgehend blockiert, sodass er kaum nach Osten vorankommt. Tiefdruckgebiete, die an der NO-Flanke des Azorenhochs nach SO geführt werden regenerieren ihn:

17.01.2015.gfsnh-0-84

Aufgrund der Achslage des Troges (Island-GB-westl. Mittelmeer)  verbleibt der Ostalpenraum an seiner Vorderseite in der Höhe im Zustrom eher milder Luftmassen. Die bodennah advehierte Kontinentalluft, normalerweise um diese Jahreszeit zapfig kalt, bringt aber auch keine   hochwinterliche Kälte. Sämtliche Kaltluftmassen wurden vom Sturmereignis (FELIX) und den mitgeführten subtropischen Luftmassen bis zum Ural verdrängt.

 

In der kommende zweite Wochenhälfte wird der Trog durch eine Hochdruckbrücke vom Azorenhoch zum Kontinentalhoch abgeschnürt. Inwieweit das entstandene Italientief Niederschläge/Schnee zu den Alpen steuert, ist noch schwer vorhersagbar:

17.01.2015.gfsnh-0-150

 

Gleichzeitig gewinnt der Atlantik neuerlich an  Dynamik. Tiefdruckgebiete, die bei Neufundland  entstehen, überlaufen den schwachen Azorenkeil und könnten eine Rückkehr zur Zonalisierung mit nachfolgendem W/NW-Wetter ab/nach  kommenden Wochenende bedeuten. Das wären jedenfalls gute Aussichten für einen Berglandwinter an der Alpennordseite.

 

Die prognostizierte Entwicklung des NAO-Index passt trotz erheblicher Streuung zu dieser Einschätzung:

17.01.20157nao

 

Eine Aktualisierung folgt demnächst.

3 Gedanken zu „Gammelwetter statt Hochwinter“

  1. danke für die ausführliche Analyse der Modelle. Dies zu lesen finde ich immer sehr spannend. Schauen ob dann ab ca. 26. Jänner eine Zonalisierung der Großwetterlage eintritt. Jedenfalls die Entwicklung bleibt spannend

  2. hallo!
    na macht nix, Gammelwetter hin oder her, rausgehen kann man immer ! 🙂

    Schon wieder eine Frage: in dem farbigen Bild von den Franzosen, sind die Linien der Bodendruck, die Farben aber die Temp oder ? Die Skala unten ist verwirrend.
    danke! K.

    1. Ja, die Linien sind die Isobaren und beschreiben den Bodendruck.

      Die Farben beschreiben die potentielle Energie der Luft auf der Fläche mit Luftdruck 500hPa. Je wärmer und energiereicher eine Luftmasse ist, desto höher liegt auch diese Fläche (gekennzeichnet durch zunehmende Rot;
      Rot=Hoch, Blau=Tief).
      So gesehen ist deine Interpretation eine gute Annäherung.

      LG, Franz

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