Zwischen den Stühlen ?

Den bevorstehenden Wetterabschnitt kann man durchwegs als der Jahreszeit entsprechend und frühwinterlich bezeichnen.
Einem kalten antizyklonal geprägten Novemberausklang folgt ein mäßig kalter Start in den meteorologischen Winter mit etwas Neuschnee in höheren Lagen der Alpennordseite. Danach setzt sich wieder hoher Luftdruck durch und sorgt bei gradientenschwachen Verhältnissen  für frühwinterliche Temperaturverhältnisse.

Völlig offen und damit sehr spannend gestaltet sich die weitere Entwicklung.

Die Anzeichen eines sich langsam kräftigenden Polarwirbels (PW) häufen sich.
Die Wärmeblase in der Stratosphäre, die Fantasien für ein frühes (Major) Warming weckte, wird in den Berechnungen des erweiterten Mittelfristzeitraumes langsam „verschluckt“. 
Damit werden die Störsignale für die troposphärische Zirkulation von oben auch schwächer. Der Kaltluftkörper des stratosphärischen PW´s dürfte sich Bereich von Spitzbergen konzentrieren.

In der troposphärischen Druckstruktur kommt nun vermehrt atlantische Dynamik ins Spiel.
Nordamerika war im bisherigen Verlauf des Herbstes ungewöhnlich warm. Im Gegensatz zum asiatischen Kontinent, wo sich WACCy stark ausgeprägt hat.
Die Kaltluft, die den Treibstoff für den Atlantik ausmacht, fehlte bisher. Er wird  wird nun angeliefert.
Die Modelle simulieren vermehrt polaren Kaltlufttransfer in Richtung NO-Kanada und in weiterer Folge mit Ausbrüchen auf den NW-Atlantik.
Das große Fragezeichen: kann diese Entwicklung den Azorenrücken, der in den letzten Wochen blockierend gewirkt hat, nachhaltig kippen?
Wenn ja, die Folge wäre vermutlich Warmsektor bis ME mit SWa (SW antizyklonal) und Abdrängen der kalten Kontinentalluft; zumindest eine zeitlang.

Gelingt es dem Azorenhoch, weiterhin mit einem Rücken/Keil seine nördliche Ausdehnung zu behaupten, dann könnten mäßig kalte W/NW-Lagen mit maritimen Luftmassen und Niederschlägen zumindest den höheren Lagen der Alpennordseite den bis jetzt fehlenden Schnee bringen.

Zwei gegensätzliche Entwicklungsalternativen mit gleichen Chancen.

 

Synoptische Betrachtung der aktuellen Lage und weiteren Entwicklung:

Am Satellitenbild der ZAMG von heute So 0z liegt eine zu einem Tief über dem Baltikum gehörige  schwache Kaltfront über D und Polen. Sie erreicht heute Früh den Ostalpenraum mit nur leichten Niederschlägen vor allem in Nordstaulagen und räumt die zähen Nebelfelder aus. Dahinter erreicht uns ein Schwall polarer Kaltluft:

27-11-2016-bk_bodana_sat_1611270000

 

Bis morgen Mo verlagert sich die Fron nach SO, die eingeflossene Kaltluft gelangt rasch unter den Einfluss eines Hochdruckgebietes über der Nordsee. Damit wird es abgesehen von Restwolken in Nordstaulagen rasch sonnig, aber turbulent: 

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Die Hochdruckdominanz hält auch Di und Mi an. An beiden Tagen ist bei klaren Nächtenin windgeschützten Lagen z.T. strenger Morgenfrost zu erwarten.

Mit dem meteorologischen Winterbeginn am Do erreicht eine weitere Störung aus NW die Ostalpen.  Sie bringt vor allem den östlichen Nordstaulagen etwas Niederschlag und einige cm Schneezuwachs oberhalb ca. 1000m. In tiefen Lagen wird es bei Regen bleiben:

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Die leicht zyklonal geprägte nur mäßig kalte NW-Lage wird nach aktuellen Berechnungen durch LD-Anstieg  bis zum kommenden So  neuerlich von einer gradientenschwachen Hochdrucklage abgelöst: 

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Diese und vor allem die weitere Entwicklung ist aber, wie in den Eingangssätzen des Beitrags erwähnt, noch mit großen Unsicherheiten behaftet. 

Bei der Betrachtung der Druckstruktur und Luftmassenverteilung der NH (nördlichen Hemisphäre) könnten die Ostalpen in der ersten Dezemberdekade zwischen die Stühle gelangen.
Zum einen wird durch zunehmende Dynamik am Atlantik der Druck von W größer, zum anderen lässt sich das entstandene kontinentale Kaltluftreservoir nicht so leicht verdrängen.

Ein Blick auf die Temperaturverteilung auf der 850hPa-Fläche (ca. 1500m) in der aktuellen gemittelten Ensemblerechnung von GFS  zum Termin 5.12.2016 zeigt die mögliche Pattsituation:

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Wie in meiner letzten Prognose schon angedeutet: der Start in den meteorologischen Winter verläuft sehr „holprig“ und mit ungewisser Perspektive für den weiteren Dezemberverlauf.

Update folgt.

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