Kein Major Warming, Grenzwetterlage mit „Winter light“ ab kommender Woche

Die plötzliche Erwärmung in der Stratosphäre im Bereich des Pols, ausgehend von der Mesosphäre, erreicht derzeit seinen Höhepunkt.
Die Kriterien für ein Major Warming (MW), das

-etwas verzögert für den „Zerfall“ des Polarwirbels (PW) in der Troposphäre
-mit massiven Kaltluftausbrüchen in die mittleren Breiten
-und damit mit größerer Wahrscheinlichkeit zu einem längeren winterlichen Abschnitt in ME führt,

werden kanpp verfehlt.
Die erforderliche Zonalwindumkehr in ca. 30km vom Pol bis 60° kann sich nicht durchsetzen.
Damit handelt es sich um ein sogenanntes Minor Warming, das zwar den troposphärischen PW  stört/beeinflusst, aber keine dauerhafte Destabilisierung zur Folge hat.
Für einen winterlichen Abschnitt ab dem Verlauf der kommenden Woche dürfte es aber trotzdem reichen.

Ich habe in meiner letzten Analyse auf die Tendenz zu einer Erhaltungsneigung und damit der neurlichen Einflussnahme kontinentaler Kaltluft auf unser Wetter hingewiesen. Dies würde auch perfekt zum „WACCy-Effekt“, auf den ich in meiner Winterprognose und in mehreren Beiträgen darüberhinaus eingegangen bin, passen.  
Ein neuerlicher winterlicher Abschnitt wird von allen gängigen Modellen (GFS,EZ,GEM,UKMO) mittlerweile in unterschiedlichen Varianten simuliert. Die Konsistenz in den Berechnungen gibt aber noch Rätsel auf, die möglicherweise in der schwierigen Erfassung der Auswirkungen des angesprochenen Warmings liegen.

Wie geht es nun weiter?

 

Die angekündigte Milderung auf den Bergen ist eingetroffen. Vor allem heute Fr herrscht bei SW-licher Strömung und Föhneffekten starkes Tauwetter in höheren Lagen. Verstärkt wird die Wirkung südseitig durch viele Sonnenstunden. In vielen Niederungen können sich die Kaltluftseen mit Nebel und Temperaturen, die kaum über den Gefrierpunkt steigen, halten.
Mit der SW-Strömung werden auch am Wochenende schwache Störungen über die Alpen geführt, sodass der Wettercharakter wechselhaft bleibt. Der Stratus im Osten bleibt auch morgen Sa bestehen.
Mit der nächsten Front von Sa auf So dürfte es zu einer Duchmischung der Luftmasse und damit zum Ausräumen der Nebeldecken im Osten kommen. Damit wird es vorübergehend milder.
Ab Anfang kommender Woche nehmen die Unsicherheiten (s.o.) stark zu. Niederschläge vom Mittelmeer rücken in den Bereich der Möglichkeit, werden einmal gerechnet und vom Folgelauf des Modells wieder verworfen. Deshalb sehe ich heute von einer Detailprognose für die kommende Woche ab. 

Auf die Gründe, warum sich die Entwicklung im Verlauf der kommende Woche nur schwer bis überhaupt nicht belastbar vorhersagen lässt, gehe ich in der nachstehenden synoptischen Betrachtung ein.

 

Zur Illustration ohne weitere Behandlung eine Karte vom Stratosphärenwarming. Alles weitere habe ich weiter oben in Kürze zusammengefasst:

03.02.2017.gfsnh-10-48

 

Nun die Druckkonstellation am Anfang der kommenden Woche:

03.02.2017.gfs-0-96

Vier markante Druckgebilde (Tief Atlantik, Azorenhoch, Skandinavienhoch, Tief Mittelmeer) stützen sich gegenseitig und bestimmen die Zirkulation über Europa. Die Alpen liegen dabei im „Niemandsland“ und werden zur Kampfzone der unterschiedlichen Luftmassen.

Darin ändert sich von der Grundkonstellation auch bis Mitte kommender Woche nichts Wesentliches. Im Detail wartet das zur Darstellung verwendete amerikanische Modell mit Entwicklungen auf, die zwar ein Winterszenario darstellen, aber keine extreme Kälte erwarten lässt: „Winter light“. 

Was passiert?  Zum einen wird an der Südflanke des Skandinavienhochs kalte Kontinentalluft und ein Höhenkaltlufttropfen über das nördliche ME gesteuert. Zeitgleich wurde ein Kaltlufttropfen aus dem atlantischen Zentraltief abgeschnürt und ins westliche Mittelmeer gelenkt. Über dem warmen Mittelmeer regt diese Höhenkaltluft die Tiefdrucktätigkeit an.
Zum anderen werden vorderseitig der Mittelmeertiefdruckgebiete von S und SO feuchtmilde Luftmassen zu den Ostalpen gelenkt:

03.02.2017.gfs-0-132

 

Im weiteren Verlauf bleibt die Grundstruktur der Druckgebilde zwar erhalten, es zeichnen sich aber doch gravierende Veränderungen ab.
Aus dem atlantischen Zentraltief, das vom Skandinavienhoch blockiert wird, tropft ein weiteres Tief über die Biskaya ab.
Die Achse des Skandivienhoch  kippt in eine NW-SO Richtung. Der Alpenraum bliebe bei dieser Entwicklung im Grenzbereich milderer Luftmassen vom Mittelmeer und kalter Kontinentalluft. Eine typische Pattsituation, bei der sich aufgrund der zu erwartenden gradientenschwachen Verhältnisse bodennah wieder Dauerfrost einstellen könnte:

03.02.2017.gfs-0-174

 

Wie weiter oben erwähnt, sind die Details der Entwicklung noch sehr unsicher. Kleine Änderungen haben große Auswirkung! Für Spannung ist gesorgt  🙂

Update folgt.

 

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