April, April, der macht, was er will!

Dieses Sprichwort kommt nicht von „ungefähr“.
Dahinter steht der jahreszeitlich bedingte Kampf von warmen Luftmassen, die von südlichen Breiten nach Norden drängen, mit der im Norden noch vorhandenen polaren Kaltluft.
Ostern fällt alljährlich in diese Zeit und ist häufig betroffen (Beitragsbild von gestern).

Die mittleren Breiten mit Mitteleuropa sind dabei die Zonen, über denen diese unterschiedlichen Luftmassen aufeinanderprallen und sich dieser Ausgleich abspielt.  Der Wettercharakter gestaltet sich dabei sehr launisch und wechselhaft mit einer raschen Abfolge von Wolken, Sonne, Regen- und Graupelschauern bis hin zu gewittrigen Schauern.
Da diese Wettererscheinungen typisch für den Übergang von der kalten (Winter) zur warmen (Sommer) Jahreszeit sind und der April den  Übergangsmonat darstellt, hat sich dafür auch die Bezeichnung Aprilwetter eingeprägt.

 

Was sind die Ursachen dieses Wetterablaufs?

Im Frühjahr nimmt der Sonnenstand rasch zu.  Aufgrund der unterschiedlichen Intensität der Sonnenstrahlung erwärmt sich die Luft über  Südeuropa und Nordafrika schneller als über Nordeuropa und dem Meer. Es  entsteht ein großes  Süd-Nord Temperaturgefälle. Diese Luftmassen mit im Frühjahr großem Temperaturunterschied sind bestrebt, sich auszugleichen.   So kommt im Übergangsbereich, der  im April gerade über Mitteleuropa statistisch besondes ausgeprägt ist, zu einem ständigen Wetterwechsel.

Definiert wird das so genannte Aprilwetter als extrem unbeständiges Nordwestwetter mit raschem Wechsel von Wolken, Sonne, Regen-, Schnee-, oder auch gewittrigen Graupelschauern. Dazu böiger Wind, meist aus Nordwest.

Eine zyklonale Nord- bis NW-Lage ist  die charakteristische Großwetterlage. Diese Anströmung ist verbunden mit einer Meridionalsierung des Zirkultaionsmusters   auf der nördlichen Hemisphäre. Mit ihr werden in mittleren bis große  Höhen der Troposphäre (etwa 500hPa) polare Kaltluftmassen nach Süden geführt, die im und an der Rückseite eines Troges für hohe Labilität sorgen.  Exemplarisch eine typische Temperaturkarte für eine Höhe von ca. 5000m, gültig für morgen 1.4.2015:

31.03.2015.gfsnh-13-36

 

Das typische Druckszenario bildet ein nach Norden ausgerichtetes Hochdruckgebiet über dem Atlantik und niedriges Geopotential über Skandinavien.  Dazwischen kann kalte Polarluft  nach Süden, bzw. Südosten bis ME und dem Mittelmeerraum strömen. Die Druckverteilung für morgen 1.4.2015 spiegelt dieses Szenario:

31.03.2015.gfsnh-0-36

 

Die um diese Jahreszeit schon recht kräftige  Sonneneinstarahlung  erwärmt die schneefreien Böden und damit die bodennahe Luft spürbar. Die oben beschriebene kalte Luft polaren Ursprugs  schiebt sich darüber. Die Folge ist starke Temperaturabnahme mit der Höhe und  sogenannte Labilität der Luftschichtung, durch die die Bildung von heftigen Graupel-, Schnee- oder Regenschauern begünstigt wird; mitunter können auch (Winter-)Gewitter mit Blitz und Donner dabei sein

In dieser Übergangsphase  vom Winter- zum Sommerhalbjahr sind bei den beschriebenen Aprilwetterlagen aufgrund der permanent wechselnden Wettererscheinungen detaillierte Prognosen für bestimmte Regionen  besonders schwierig bis unmöglich.

Die Wetterlage ist zwar klar erfasst, aber wann bzw. wo ein Regen- oder Graupelschauer niedergeht oder sich ein Sonnenfenster auftut, ist nicht vorhersagbar. Es ist nur möglich, das betroffene Gebiet  mit dem wechselhaften Wettercharakter einzugrenzen.

 

Neben dem Streben  der unterschiedlich temperierten Luftmassen zwischen nördlichen und südlichen Breiten in der Troposphäre sich zu vermischen, unterstützen  auch die Vorgänge in der Stratosphäre maßgeblich diesen Vorgang.

Das „final warming“ führt zu einem Zerfall des Polarwirbels in den oberen Stockwerken der Atmosphäre und dort zu einer Zonalwindumkehr von West auf Ost.  Als Auswirkung auf die Troposphäre kommt es zu einer Schwächung des West-Ost gerichteten Polarjets, der die polaren Kaltluftmassen zusammenhält. Ein Meandrieren des Jets mit Ausfließen der arktischen Luft in mittlere Breiten ist die Folge.

Die meridionale Zirkulationsform ist für den Austausches von Wärme  aus den Subtropen und  Kälte aus der Arktis eine Notwendigkeit um eine raschere Erwärmung der Polarregion zu beschleunigen.

Der Austausch von polaren und subtropischen Luftmassen ist von der Natur vorgesehen und notwendig und findet alljährlich in der Übergangszeit – bevorzugt April – statt.
Gäbe es ihn nicht, könnte in polaren Gebieten keine Vegetation gedeihen, da die rein diabatische Erwärmung dort albedobedingt (Wärmerückstrahlung an schnee- und eisbedeckten Flächen) nicht ausreichen würde.
Und bei uns würde die Schneeschmelze ungebremst von Kaltlufteinbrüchen mit höherer Hochwassergefahr ablaufen.

Unter diesen Aspekten  ist die bevorstehende Großwetterlage mit einem Abschnitt von „spätwinterlichen“ Temperaturen als ganz normal anzusehen.

3 Gedanken zu „April, April, der macht, was er will!“

  1. Hihi !
    – also folgt: entweder nur im Winter radeln (bei stabiler Inversionslage) oder nur nachts.
    Naja…beides nicht so wirklich toll….
    aber ich habs so gemacht: Windrichtung vorher checken, dann eine Tour mit Rückenwind wählen, wo am Ende ein Nest mit Bahnhof ist. Und mit dem Zug heimfahren…..:)
    Aber es war 30-40km/h Windspitzen, das macht nach deiner Aussage dann 60-80km/h !!!!!!!!!! gefühlt…also da wundert mich nichts mehr.
    danke dass du dir Zeit genommen hast zu antworten – hab wieder was gelernt.

  2. Hallo Franz,
    ich finde diese Zusammenhänge im größeren Rahmen, den notwendigen Austausch von kalt und warm bedingt durch die Sonneneinstrahlung, wie du´s oben beschrieben hast, immer sehr spannend.
    Was mir dieser Tage wieder aufgefallen ist, weil mit dem Rad unterwegs: Wie ist das eigentlich, zb. im Weinviertel, mit dem ständigen Wind tagsüber, und, nach Studium der ZAMG Verlaufsgraphiken, v.a. tagsüber. Durch Thermik verursacht ? Und wohl gültig dann für überall. Dass das Land im Osten Österreichs flach ist, ohne Hindernisse (Bäume gibts ja auch kaum) für den Wind, ist das der einzige Grund ? Kann man windstill(ere) Tage voraussehen ? – jedesmal wenn ich von so einer windigen Wahnsinns-Radtour wieder nach Wien einbiege und dann beim Fenster rausschau, sieht alles ganz normal aus, es rührt sich kaum ein Ast auf einem Baum, gleichsam sagend „Wieso,..war irgendwas ?“
    – fällt dir dazu was ein ?
    danke! Karin

    1. Servus Karin,

      die Topographie eines Gebiets ist für die Windanfälligkeit und die bevorzugten Windrichtungen einer Gegend von großer Bedeutung. Das hindernisfreie Weinviertel ist, abgeshen bei windstillen Inverisonslagen, bestimmt immer gut durchlüftet.
      Auch durch Thermik kann natürlch Wind entstehen. Das könnte in den letzten Tagen durchaus der Fall gewesen sein, denn die Luftmasse war sehr labil und thermisch aktiv.
      Da ich selbst viel auf dem Rad unterwegs bin, kann aber vor allem bei Gegenwind auch ein „verfälschter“ Eindruck entstehen. Einen Wind von etwa 15km/h spürst du, nimmst in aber als leicht wahr. Wenn du nun mit 15km/h auf dem Rad gegen diesen Wind ankämpfen musst, nimmts du 30km/h wahr………….und das ist viel!!!!!!!!

      Ich hoffe, du kannst mit meinen Antworten etwas anfangen 😉

      LG, Franz

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