Der Blick über den Tellerrand (Karibik, Polarwirbel, Sibirien)

Das Höhentief gepaart mit polarer Kaltluft, ausführlich behandelt  in meiner letzten Analyse, wird unser Wettergeschehen  nachaltig und über das kommende Wochenende hinaus prägen. Der Wettercharakter würde besser zum November passen. Die Temperaturen liegen 6 – 8 K unter dem langjährigen Durchschnitt.
Nachfolgendes Meteogramm des aktuellen GFS-Modelllaufes zeigt exemplarisch die Temperaturkurve in ca. 1500m  m,it den Niederschlagssignalen auf der Abszisse für den Gitterpunkt „Oberes Triestingtal  (Quelle: wetterzentrale.de), die rote Kurve markiert das 30-jährige Mittel:

 

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Niederschläge fallen zeitweise bis ca. 1000m als Schnee. Sonne wird Mangelware, vor allem im N und O.

Die 6-stündigen Updates der Meteogramme für Oste/Süd/West findest du wie üblich unter den Zielen.

 

In diesem Beitrag möchte ich mich mit den interessanten und spannenden Entwicklungen über dem Atlantik, der Arktis und Sibirien befassen und auf die möglichen Auswirkungen auf den Witterungsverlauf im weiteren Verlauf des Oktober und evtl. darüber hinaus „spekulieren“.

Die Karibik wird heute von einem der stärksten Hurrikans der letzten Jahre getroffen, bezeichnet mit dem Namen MATTHEW. Das hohe Zerstörungspotential des Kat 4 Hurrikans lässt schwere Schäden befürchten.

MATTHEW erreicht heute mit Windspitzen bis 270km/h Jamaica, Haiti und das östliches Kuba. Nachtsüber wird der Hurrikan mit seiner zerstörerischen Kraft über den Bahamas erwartet.

Satellitenbild von heute Früh aus der ISS:

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Die weitere prognostiezierte Zugbahn hat ein hohes Bedrohungspotentialfür die gesamte US-Ostküste:

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Quelle: wunderground.com

 

Auf der Höhe von NY wird MATTHEW zum kommenden Wochenende erwartet.

 

Die aktuelle Druckstruktur der gesamten NH (nördlichen Hemisphäre) ist geprägt von einer meridionalen Zirkulation mit gesplitteten Polarwirbel. Die zwei polaren Tiefdruckkomplexe über Südgrönland/Baffinbay bzw. Ostsibierien sind durch hohen LD, ausgehend von Mittelsibierien über die Laptevsee bis Alaska, getrennt. Über Westeuropa hat sich ein Höhenkeil bis Nordskandinavien aufgewölbt. Dieser lenkt an seiner Ostflanke subpolare Luftmassen nach ME und bis in den Mittelmeerraum und führtr zur Ausbildung eines riesigen Höhentiefs mit mehreren Kernen über ME/Osteuropa:

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Die über ME resultierende zyklonale N-Lage kippt im Wochenverlauf zwischen dem ortsfesten Skandinavienhoch und dem  sich nach W verlagernden Höhentief auf O.  Die Zufuh kühler Kontinentalluft und der Höhentiefeinfluss bleiben über das kommende Wochenende hinaus im Alpenbereich bestehen.
Am westlichen Nordatlantik ist auf Höhe New York  MATTHEW  angekommen, der in weiterer Folge von der nördlichen Frontalzone aufgenommen wird.
Die Druckstruktur der NH anhand der aktuellen Modellsimulation für kommenden So weist eine High-over-Low Lage über Europa aus. Der Polarwirbel ist nach wie vor gestört, wobei sich an der polseitigen Flanke des Skandinavienhochs, gemäß Zirkulationsrichtung im Uhrzeigersinn um das Hoch,  ein Kaltlufttransport von Nordkanada nach Mittelsibierien einstellt:

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Damit wird der Abkühlprozess des sibirischen Kontinents begünstigt/beschleunigt. Das Temperaturniveau über großen Teilen der Kontinente ist für die Jahreszeit weit fortgeschritten.

Karte mit der Temperaturabweichung vom langjährigen Mittel am Ende der ersten Oktoberdekade:

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Quelle: Karstenhausteien

 

Gleichzeitig dehnt sich die Schneedecke, ausgehend von Ostsibirien in Richtung Westen,  rasch aus.
Aktuelle Schneeausdehnung (rot) im Vergleich zu den letzten zehn Jahren:

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Quelle:  NOAA

 

Resümee:

Die aktuelle Wetterentwicklung der gesamten NH wird bestimmt von einer starken meridionalen Zirkulation mit gestörtem Polarwirbel. Im Winter würde diese Druckkonstellation bei uns strengen Dauerfrost bewirken. Aber auch Anfang Oktober reicht es für stark unterdurchschnittliche Temperaturen.
Eine negative arktische Oszillation (Maß für die Meridionalität) und eine überdurchschnittlich warme Arktis begünstigen das Auskühlen des eurasischen Kontinents und die frühe Ausbildung einer Schneedecke über Sibirien.
Die stärkste Einflussgröße, die bei uns für einen „nicht zu milden“ bis kalten Winter 2016/2017 spricht (WACCY = warm arctis cold continents; siehe dazu meine Annäherung an den Winter 2016/2017) entwickelt sich also derzeit sehr gut 🙂

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