Die Pasterze 2021: unaufhaltsamer Gletscherrückgang und -zerfall

Am Fuße des Großglockners erstreckt sich der größte Gletscher der Ostalpen, die Pasterze. Obwohl die Winterniederschläge, die in den Gletscherregionen ausschließlich als Schnee fallen,  in den letzten  Jahren z.T. das  langjährigen Mittel übertrafen, setzt sich in den überdurchschnittlich warmen  Sommern der Abschmelzprozess auf fast allen Gletschern der Alpen, und damit auch auf der Pasterze, auf  hohem Niveau fort. Die anthropogen verursachte Erwärmung seit Beginn der Industrialisierung beträgt in den Alpen mittlerweile 2 K. Als Folge steigt die Schneefallgrenze in den Sommern und der NS fällt auch im Nährgebiet der Gletscher oft als Regen. Dies reduziert  im Nährgebiet den Schneezuwachs im Sommer und damit  die notwendige  Bildung von Gletschereis als Nachschub für das Zehrgebiet der Gletscher. Gelangt weniger Gletschereis ins Zehrgebiet, nimmt dort der Masseverlust überproportional zu.
Anders ausgedrückt: der Gleichgewichtszustand zwischen Nährgebiet und Zehrgebiet verschiebt sich immer weiter nach oben.
Dies kommt nicht nur in den Zahlen der jährlichen Längenreduktion der Gletscherzunge der Pasterze (ca. 50m 2019/2020) zum Ausdruck, sondern äußert sich über mehrere Jahre gesehen auch durch markante optische Veränderungen der Pasterze (Bilder im Beitrag). Z.B.: eisfrei werdende Felsbereiche, Zerteilung von Gletschern, Anreicherung von Schutt an den Gletscheroberflächen, Schuttmoränen, Bildung von Seen.

 

Um zur Pasterze zu gelangen fuhr ich am 24.09.2021 zunächst über die Nordseite der Großglockner Hochalpenstraße und schwelgte in Erinnerung an meine zahlreichen Gipfelbesteigungen in  der Glocknergruppe.

 

Großglockner, Sonnwelleck, Fuscherkarkopf:

 

Hohe Dock:

 

Wiesbachhorn:

 

Hoher Tenn:

 

Brennkogel:

 

Über Fuschertörl und Hochtor führt die Straße auf die Heiligenbluter S-Seite, wo sich der Großglockner bald in voller Pracht zeigt ………….

 

……….. und zur Franz Josefs Höhe, dem Ausgangspunkt meiner Pasterzenrundwanderung.
Hier wird sofort sichtbar, dass die Tage der Pasterze gezählt sind 🙁

 

 

Dort wo bis vor einigen Jahrzehnten noch das Eis der Gletscherzunge anzutreffen war, findet man heute einen riesigen See. Die  Gletscherzunge ist  flächig in Zerfall, da – wie in der Einleitung beschrieben – der Eisnachschub aus den höher gelegenen Gletscherregionen zurückgeht. 
Nach dem letzten Gletscherbericht des Alpenvereins ist die  Gletscherzunge der Pasterze in einem Jahr um durchschnittlich 6,1 Meter eingesunken und verzeichnet einen Längenverlust von 52,7m.

 

Ich plante, das Zehrgebiet der Pasterze von Oben nach Unten zu begehen. Deshalb wanderte ich zunächst über den Panoramaweg mit den beeindruckenden Einblicken in die, von Ausaperung gezeichneten, Großglockner N-Seite mit Hoffmannkees, Meletzkigrat, Lammerkees, Pallavicinirinne, Berglerrinne, Nordwand:

 

Tiefblick auf das Gletschertor der Pasterzenzunge:

 

Bevor ich zum Auslauf der Pasterzenzunge abstieg, führte meine Route vom Wasserfallwinkel über – vom Gletscher plangeschliffene Felsen und Schutt – in Richtung Oberwalderhütte. Dort wollte ich in Anbetracht des Prachtwetters Spiegelungen des Großglockners in einem kleinen Gletschersee fotografieren. Leider vereitelte kräftiger Wind mein Vorhaben, die Wasseroberfläche war sehr unruhig.

Bilder vom letzten Jahr bei meiner Wanderung auf den Mittleren Bärenkopf:

 

Abstieg zur Pasterzenzunge:

 

Die nachfolgenden Bilder zeigen, dass die Gletscher der Glocknernordseite die Verbindung zur Pasterze bereits verloren haben:

 

Eisnachschub erfolgt nur mehr über eine schmale Verbindung vom Nährgebiet unterhalb des Johannisbergs über den Bereich des Hufeisenbruchs :

 

Annäherung an das Gletschertor:

 

 

Der lange Rückweg und Wiederanstieg zu Franz Josefs Höhe erfolgte statt über Gletschereis, wie noch vor einigen Jahren, über eine nicht enden wollende Schuttmoräne:

 

Beim Wiederanstieg zur Franz Josefs Höhe weisen Schilder auf den Gletscherstand bis 1960 hin und dokumentieren damit den drastischen Gletscherrückgang der Pasterze:

 

Nachfolgende Karte und Fotos dokumentieren den  Gletscherrückgang der Pasterze seit dem 1900-Jahrhundert.

 

1856:

 

1900:

Quelle obiger 3 Bilder: anisa.at

 

1935:

 

1965:

Quelle der beiden letzten Bilder: scienceteacherexplorer

 

Nachfolgendes Foto habe ich vor 20 Jahren (10/2001) vom Gipfel des Großglockner  aufgenommen; die Gletscherzunge der Pasterze erstreckte sich noch bis auf die Höhe der Franz Josefs Höhe:

 

4 Gedanken zu „Die Pasterze 2021: unaufhaltsamer Gletscherrückgang und -zerfall“

  1. Traumhafte Fotos, aber leider auch erschreckend obwohl ich erst letztes Jahr im Juli dort war. Damals gab’s noch mehr Reste vom Winterschnee. Mit der Landschaft in den 1980er Jahren hatte das aber auch nicht mehr viel gemein (abgesehen von den Gipfelregionen). Man wird sich in Zukunft wohl mehr an Gletscherseen als an Gletschern erfreuen können (und müssen).

    1. Lieber Reinhard,
      „Erschreckend“ ist ein treffender Ausdruck.
      In den 1980-iger Jahren gab es noch die Hoffmannshütte, von der man in wenigen Minuten auf das Eis der Pasterzenzunge absteigen konnte und in einer relativ bequemen Gletscherquerung zu den Nordanstiegen des Großglockners gelangte. LG, Franz

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