Großglockner Hochalpenstraße und Pasterze

Weil das Wetter perfekt war und ich die Pasterze wieder einmal im Sommer sehen wollte, führte die  Rückreiseroute unseres Osttirolurlaubs über  die Goßglockner Hochalpenstraße.

 

Ein bekanntes Motiv: Heiligenblut mit Großglockner

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Der Blick von der Franz Josefs Höhe auf Großglockner mit Glocknerwand, Johannisberg  und Pasterze bzw. was davon noch übrig ist:

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Die Pasterze ist mit aktuell ca. 8km Länge und 17km2 Fläche der größte Gletscher Österreichs und zugleich der längste der Ostalpen.
In heißen Sommern wie 2003, 2006 und wahrscheinlich auch heuer  2015 schrumpft die Länge um bis zu 100m/Jahr und sinkt die Eisoberfläche um 4m – 5m ab. Verantwortlich dafür sind einerseits die wärmeren Sommer, aber auch die schneearmen Winter. Geringere Schneedecke bedeutet früheres Abschmelzen der schützenden Schneeschicht vom dunklen Eis und damit weniger Albedo (Reflexion des Sonnenlichts).

Am Ende der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ um die Mitte des 19. Jahrhunderts hatte die Pasterze das doppelte Volumen und mit einer Länge von 11,4 km, einer Fläche von 26,5 km2 die größte Ausdehnung seit 11 500 Jahren. Seither ist ein kontinuierlicher Masseverlust zu verzeichnen, der in Sommern wie heuer enorm ist.

Neben dem klimatisch bedingten generellen Gletscherschwund sind es vor allem die langen bis weit unter 3000m reichenden Gletscher, zu denen die  Pasterze gehört, deren Gletscherzungen überproportional rasch abschmelzen:

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Wie stark Klimaschwankungen sich auf die Gletscher  auswirken, zeigen Funde aus der jüngsten Zeit.  Bereiche der Pasterze, wo heute Eis, Schutt, Sand und Wasser das Bild prägen, waren vor Jahrtausenden Weideland und von Zirben beheimatet.

Tatsache ist, dass die Alpen neben der Polregion  vom Klimawandel überdurchschnittlich stark betroffen sind. Dies äußert sich neben dem starken Gletschschwund, der die gesamten Alpen betrifft, vor allem auch im Verschwinden der Permafrostböden im Sommer. Die Folge sind vermehrt auftretende Steinschläge und Bergstürze.

Die Berge oberhalb 2500m werden immer gefährlicher!

Als Bergsteiger beobachte ich diese seit über zwei Jahrzehnten rasch fortschreitende Entwicklung mit Besorgnis.

Viele Touren, die früher möglich waren, sind heute in der warmen Jahreszeit  nicht mehr mit vertretbarem Risiko machbar. Ganz besonders betrifft dies Eis- und Firnrinnen bzw. Flanken in steilen Nordwänden.  Mit Glück gibt es wenigeTage im Jahr, wo die Verhältnisse eine Begehung oder Schibefahrung zulassen.
Die Fuscherkarkopf-Nordwand etwa war bis vor 20 Jahren das ganze Jahr über eine durchgehende Eiswand und bestens zu durchsteigen. Heute ist sie im Sommer mehr als zur Hälfte ausgeapert (Bildmitte):

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Ich denke auch an  Befahrungen mit  Schi von beispielsweise  Gr. Bärenkopf-Nordwand, Schareck Nordrinnen,  Sonnblick Nordrinne, Brochkogel Nordwand (Ötztaler Alpen), Schrankogel NO-Wand (Stubaier Alpen), die früher von Mai bis weit in den Sommer – gute Schneeverhältnisse vorausgesetzt – möglich waren.  Heute wegen früher Ausaperung undenkbar.

Ein gutes und plakatives Beispiel dafür sind auch die Eisrinnen durch die Großglockner Nordwand.

Am folgenden aktuellen Foto vom 7.8.2015 erkennt man, dass die Pallavicinirinne zwischen Klein- und Großglockner und rechts davon die Berglerrrinne zwischen Großglockner und Glocknerhorn bis auf wenige Eisflecken schneefrei sind:

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Das nachfolgende Bild ist von einem Dia, das ich Mitte der 80-iger Jahre ebenfalls Anfang August am Tag vor der Durchsteigung der Berglerrinne zum Glockner NW-Grat gemacht habe.  Die Rinnen waren schneegefüllt und nach Überwindung des Bergschrundes besten begehbar:

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Ein paar interessante Links zu weiterführenden Informationen über die Pasterze und den allgemeinen Gletscherschwund von Uni-Graz, ZAMG und Wikipedia:

Uni-Graz
ZAMG
Wikipedia

 

Neben den Motiven von Pasterze und Glockner bietet der Gamsgrubenweg auch andere herrliche Eindrücke:

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Als wir am späteren Vormittag das Fuschertörl und die Nordrampe der Glocknerstraße  erreichten, begann es über Hocharn und  Hochtor von Süden zu quellen, nachmittags gab es Gewitter:

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Auch auf der Nordseite sticht neben der ausgeaperten Fuscherkarkopf-Nordwand der enorme Gletscherrückgang von Hochgruberkees und Sandbodenkees sofort ins Auge.

Von links nach rechts: Fuscherkarkopf, Hohe Dock, Hochgruberkees,  Bratschenkopf, Sandbodenkees, Wiesbachhorn

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Wiesbachhorn und Hoher Tenn (rechts) mit seinem langen und wunderschönen  Ostgrat:

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3 Gedanken zu „Großglockner Hochalpenstraße und Pasterze“

  1. Lieber Franz!
    Wunderschöne Bilder. Wir waren gestern auf der Goldbergspitze aus dem Zirknitztal. Das Goldbachkees schaut nicht so schlimm aus. Bis auf 2700 Meter ist sieht man noch nicht das Blankeis. Sehr einsame Tour. Wir sind nur einem Wanderer begegnet.
    Wünsche Euch noch einen schönen Sommer
    Monika

  2. Sorry, ich schrieb dir gerade vom Smartphone aus. Lienzer Dolomiten muss es natürlich heißen. Viele Grüße von der Adria (Caorle) wo ich derzeit mit Familie verweile.

  3. Hallo Franz, sehr schön deine Fotos von der Großglockner- Gegend. Ebenso von den Lienzer Dalmatien und dem Raum Prägraten. Mit dem Südtirol er Alpenverein war ich zwei drei Mal auf Bergwanderung in den Lienz er Dalmatien und deine Bilder erinnern mich daran… Ich hoffe auf Umstellung der Großwetterlage ab 15. August mit etwas gemäßigteren Temperaturen.

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