Erhaltungsneigung setzt sich auch im November fort

Die Fortsetzung einer vorherrschenden SW-Komponente im Zirkulationsmuster über ME wird weiterhin für überdurchschnittliche Temperaturen sorgen.
Dies spiegelt sich in der aktuelle prognostizierten Temperaturanomalie des amerikanischen Vorhersagezentrums für November in  Europa: 1°-2°K  (gekennzeichnet durch das dunkle Rot) über dem klimatologischen Mittel über weiten Teilen Europa´s werden berechnet (siehe Beitragsbild, Quelle  http://www.cpc.ncep.noaa.gov/ ).

Kaltlufteinbruch in absehbarere Zeit ist keiner in Sicht.

Aufgrund gradientenschwacher Bedingungen wird es in der bodennahen Grundschicht weiterhin häufig zu Nebelbildung kommen, wodurch die überdurchschittlichen Temperaturen nur außer- und oberhalb des Nebels zur Geltung kommen.

Die Ursache  ist einem mächtigen  Kontinentalhoch geschuldet, das die atlantischen Tiefdrucksysteme auf ihrem Weg von Neufundland über Island an ihrem Vordringen auf den Kontinent blockiert. Dabei kommt es immer wieder zu einer Austrogung über dem Ostatlantik mit einer mehrtägigen milden Vorderseitenlage über ME.  Amplifizierung führt zum Abtropfen der Trogspitze ins Mittelmeer, während der Tiefdruckkern entlang der Frontalzone in Richtung Nordskandinavien gesteuert wird. Über ME dreht bei diesem Vorgang die Strömung über S auf SO mit der Ausbildung einer Hochdruckbrücke vom Kontinentalhoch zur Iberischen Halbinsel.

Ein eingeschwungener Prozess der sich seit Juli immer wieder wiederholt. Man spricht von Erhaltungsneigung,  wenn länger anhaltende Großwetterlagen trotz kurzer Unterbrechungen  sich immer wieder zu regenerieren.

Die aktuellen Modellkarten der 500hPa-Fläche dokumentieren dies recht eindrucksvoll.
Zu Allerheiligen liegen wir an der Vorderseite eines nordatlantischen Zentraltiefs über Island:

31.10.2014.gfsnh-0-36

 

Das Hochdruckgebiet übe Osteuropa/Russland blockiert das Vorankommen in Richtung ME, die Folge ist eine starke Amplifizierung des Troges bis Nordafrika………………….

31.10.2014.gfsnh-0-108

 

…………………………..und das Abtropfen ins westl. Mittelmeer; nördl. des Cutoff-Tiefs entsteht über ME eine schwache Hochdruckbrücke:

31.10.2014.gfsnh-0-168

 

Am Atlantik nimmt währenddessen bereits das nächste Tiefdrucksystem Kurs auf EU und  das Spiel beginnt von Neuem:

31.10.2014.gfsnh-0-228——————31.10.2014.gfsnh-0-264

 

Ob und wie lange uns diese Erhaltungs-/Wiederholungsneigung noch erhalten bleibt, ist schwer zu sagen.  Eine Fortsetzung in den Wintermonaten würde einen ähnlich milden Verlauf mit überdurchschnittlchen Niederschlagsmengen an der Alpensüdseite  wie im vergangenen Winter 2013/14  bedeuten.
Die Chance, dass dieses Grundmuster beendet wird besteht aber durchaus.
So ist zum Beispiel im aktuellen GFS-Hauptlauf um die Mitte November eine klare Tendenz zu einer Zonalisierung zu erkennen. Das Kontinentalhoch verlagert sich nach Osten, wodurch die Frontalzone auf den Kontinent vorankommt. Wechselhaftes windiges Westwetter wäre die Folge.  Für eine Prognose ist diese Simulation noch zu weit weg, aber sie zeigt eine Möglichkeit für eine Änderung der GWL auf:

31.10.2014.gfsnh-0-348

 

Erfahrungsgemäß benötigt eine nachhaltige Änderung einer lang andauernden GWL mehrere Anläufe, der Weg über einen auflebenden Atlantik scheint mir aber die wahrscheinlichste Option zu sein.

Auch die Prognose des NAO-Index geht zunehmend in Richtung Zonalisierung mit Erhöhung des Druckgradienten zwischen Island und den Azoren und damit dem Anspringen der Westdrift:

31.10.2014.nao_sprd2

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