Weiterhin große Dynamik am Atlantik

Das Mittelmeertief hat gestern Mi die Alpen nach Norden gequert. Im Schlepptau hatte es feuchtmilde Luftmassen, die vorübergehend zu einer inhomogenen Luftschichtung geführt haben, was wiederum recht unterschiedlichen Schneefallgrenzen verursacht hat.  Vor allem in den Gutensteiner Alpen kam es durch einen Warmlufteinschub in höheren Schichten vorübergehend zu gefrierendem Regen (Beitragsbild vom Hocheck).

Heute Do liegt dieses Tief  bereits über der Ostsee. Eine zugehörige Warmfront mit feuchter Mittelmeerluft und  Regen liegt stationär über der Osthälfte Österreichs während weiter im Westen ein Zwischenhoch und trockene Luft für einen freundlichen Tag sorgen:

18.02.2016,sat

Im aktuellen Satbild der ZAMG ist die Druckkonstellation über den Ostalpen eingezeichnet. Auffallend ist der massive Kaltluftvorstoß über dem Atlantik bis zu den Kanaren.

Eine daraus hervorgehende Kaltfront wird bereits morgen Fr in den  Alpen eintreffen, Abkühlung bringen und bis Sa früh den gesamten Ostalpenraum queren.

Eine  Warmfront quert in der Nacht von Sa auf So. Im Warmsektor erwartet uns am So ein wechselhafter, an der Nordseite der Alpen und im Osten ein recht turbulenter „Vorfrühlingstag„.

Zu Wochenbeginn erfolgt aber bereits der nächste Temperatursturz mit Aussichten auf eine neue Schneepackung in höheren Lagen.

 

Synoptische Analyse und Ausblick:

Die Druckstruktur vom morgigen Fr zeigt einen Tiefdruckkomplex über dem nördlichen Atlantik vom südlichen Grönland über Island bis Skandinavien.  Südlich davon die Frontalzone mit ausgeprägtem Gradienten zum Azorenhoch.  Das starke Westwindband drängt den noch über ME liegenden Trog rasch nach Osten ab, sodass am Sa ein Keil des Azorenhochs in den Alpen Einfluss gewinnt:

18.02.2016.gfs-0-36

 

Nach Durchzug einer Warmfront in der Nacht auf So liegt ME am So in einer strammen und recht milden Westströmung:

18.02.2016.gfs-0-84

 

Die Karte mit der Temperaturverteilung in 1500m zeigt den augeprägten Warmsektor über den Alpen. Die Nullgradgrenze wird darin bis über 3000m steigen:

18.02.2016.gfs-1-84

 

Da sich das Tief im Norden rasch in Richtung Barrentssee verlagert, kann an seiner Rückseite bereits ein neuerlicher Kaltluftvorstoß aus NW eingeleitet werden. Damit verbunden wird eine Zyklogenese über dem Mittelmeerraum ausgelöst. Eine Wiederholung der Wetterlage der letzten Tage mit Energienachschub – sowohl im Nordstau, als auch von Süden – kündigt sich an. Die Dynamik am Atlantik bleibt erhalten:

18.02.2016.gfs-0-126

18.02.2016.gfs-1-126

 

Der Polarwirbel der nördlichen Hemisphäre zu Mitte der kommenden Woche ist geprägt von 4 Bereichen mit tiefem Geopotential (Tief):  Ostsibirien, Aleuten, NO-Kanada, europäisches Nordmeer. Massive Warmluftadvektion mit hohem Geopotential (Hoch)über der amerikanischen pazifischen Westküste und Mittelsibirien in Richtung Pol stützt diese Druckstruktur nachhaltig.
Die polaren Katluftreservoirs  konzentrieren sich auf Ostsibirien und NO-Kanada.  Zweiteres fließt dabei über die Davisstraße in den Atlantik, führt zu anhaltender Tiefdruckentwicklung südlich von Grönland und damit zur Fortsetzung des dynamischen Atlantikwetters. Die Frontalzone erstreckt sich weiterhin bis Russland und verursacht über ME einen häufigen Wechsel zwischen milder Vorderseitenlage und kalter Rückseitenlage über den Alpen:

18.02.2016.gfsnh-0-150

 

Trotz des größräumig meridionalen Zirkulationsmusters in obiger Karte bleibt die nordatlantische Oszillation zonal geprägt. Dies spiegelt sich auch im prognostizierten  positiven nordatlantischen Oszillationsindex. Positive Werte stehen für Islandtief und Azorenhoch und ausgeprägten Gradienten zwischen beiden Druckgebilden (Westdrift):

18.02.2016.nao

 

In den Ensemblerechnungen der letzten 4 GFS-Modellläufe für den Gitterpunkt „Oberes Triestingtal“  ist der abrupte Wechsel von Warm- und Kaltfront bis zum Wochenanfang gut abgebildet.  Danach nimmt die Streuung in den Temperaturkurven zu.  Auch dies deutet auf eine Fortsetzung der wechselhaften Westlage hin, lediglich der Ablauf bzw. der zeitliche Durchgang der Fronten wird von den einzelnen ENS-Membern unterschiedlich berechnet und kann zum heutiger Zeitpunkt nicht im Detail vorhergesagt werden:

18.02.2016.ens

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