GONZALO: Die Entstehung, der lange Weg und sein Abgang

Für mich waren die letzten 10 Tage einer der spannendsten Wetterabschnitte in diesem Jahr.
Das bevorstehende ruhige  Herbstwetter lässt momentan  keine interessanten Wetterentwicklungen  bei uns erkennen.
Das schafft Zeit für einen Nachbetrachtung  des   Hurrikan    GONZALO         🙂

Im Grunde ist es noch ein paar Tage zu früh,  aber da die Tage GONZALO´s nun gezählt sind, möchte ich schon heute eine rückblickende Analyse  geben beginnend mit  seiner Entstehung,  über sein Heranwachsen zu einem Kat4 Hurrikan,  seinen Höllenritt  über den Atlantik und schlußendlich seinen Auswirkungen in Zentraleuropa und am Balkan, wo er in den nächsten Tagen sein Leben aushaucht.

 

Nach einer längeren Pause  entwickelten sich am Beginn der zweiten Oktoberdekade am Atlantik  wieder  Tropentiefs mit Potential für Hurrikanstärke.  Am  11.10.2014   habe ich in meiner Wetteranalysen  seinen Vorgänger Hurrikan FAY  erwähnt, er hat kurz danach  die  Bermudas getroffen und ist dann scharf nach Osten auf den offenen Atlantik abgebogen (4 Bilder, Quelle Wikipedia):

24.12.2014.Fay_Oct_12_2014_1455Z———————–24.12.2014.Fay_2014_track

 

Zu diesem Zeitpunkt  war  das Tropentief, aus dem in weitere Folge GONZALO  hervorging, östlich der kleinen Antillen  im Entstehen.   Bereits am 13.10. erreichte er Hurrikanstärke, querte unter laufender Intensivierung über dem warmen Meer Antigua, eine Insel der kleinen Antillen, und erreichte am 15.10. südwestlich von Bermuda Kat4:

24.10.2014.gonzalo.16.10

 

GONZALO ist damit der stärkste atlantische Hurrikan  seit OPHELIA  im Jahr 2011.

 

Seine weiteren Zugbahn in Richtung Norden führte ihn über weniger warmes Meerwasser, sodaß seine Stärke langsam nachließ.  Er streifte 17./18. 10.  als Kat3 die Bermudas, wo er enorme Schäden an der Infrastruktur anrichtete.
Seine Weiterweg nach NO führte vorbei an Neufundland, wo er an die nördl. Frontalzone andockte:

24.10.2014.Gonzalo_2014_track

 

Als Kurzwellentrog überquerte er in nur 2 Tagen den den Atlantik und erreichte am  21.10. die Britischen Inseln mit schwerem Sturm und Regenfällen, die zu Überschwemmungen führten
(Bildquelle: wunderground.com):

17.10.2014.gonzalo.ens

 

Am 22.10. morgens ist er als Sturmtief über  Dänemark/Norddeutschland angekommen und zapft die im Norden bereitstehende polare Kaltluft an:

24.10.2014.gfs-2014102200-0-6—————–24.10.2014.gfs-2014102200-1-6

 

Eine Progression nach Osten wird durch ein Kontinentalhoch blockiert, bleibt nur ein Ausweichen bzw. Abtropfen nach Süden in Richtung Alpen und Mittelmeer.  Ein Vorgang, der in den letzten Monaten wiederholt auftrat. An seiner Westflanke kam es durch Druckanstieg vom Atlantik zu starker Isobarendrängung und der Ausbildung eines Sturmfeldes,  das mit der Kaltfront die Alpen erreichte. Davor bildeten sich teilweise  Gewitter mit konvektiven Starkniederschlägen. Beim Über- bzw. Umströmen der Alpen am Ostrand gab es österreichweit in der Nacht zum  Mi, 22.10.2014 Sturm- und Orkanböen mit umgestürzten Bäumen Schäden an Dächern:

24.10.2014.sturm_22_10_2014

 

In höheren Lagen brachte der Temperatursturz den ersten Wintereinbruch in diesem Herbst:

24.10.2014.schnee

 

Am Do, 23.10. lag der Tiefdruckkern mit Höhenkaltluft bereits über der warmen Adria und dem nördlichen Balkan:

24.10.2014.gfs-2014102300-0-6———————-24.10.2014.gfs-2014102300-13-6

Abgeschnürt und entkoppelt von der Frontalzone entfernt sich der  Ex-Hurrikan aber nur sehr langsam weiter nach SO.  Dadurch trifft die herumgeführte Okklusion mit feuchtmilder Mittelmeerluft und  strarken Niederschlägen an die Alpennordseite. Die Schneefallgrenze steigt in mittlere Höhen und vom Salzkammergut bis in zu den NÖ-Voralpen führen die Stauniederschläge zu hochwasserührenden Flüssen (HQ1-HQ5).

 

Aktuell liegen die Reste von GONZALO  im Bereich der Ägäis. Das Höhentief bleibt dort stationär, füllt sich nur langsam auf und wird über das Wochenende hinaus in diesem Bereich für sehr turbulentes  Wetter mit starken Niederschlägen sorgen:

24.10.2014.gfs-0-6————-24.10.2014.gfs-0-54

 

Hohes Hochwassepotential besteht im Bereich des Marmarameeres und im südl. Bulgarien:

24.10.2014.Rtavn5418

 

Damit hat GONZALO nach einer langen spannenden Reise mit viel Ungemach sein endgültiges Ziel erreicht,  wird  nächste Woche im östlichen Mittelmeerraum noch für ungemütliche Verhältnisse sorgen und dann die Wetterbühne verlassen.

3 Gedanken zu „GONZALO: Die Entstehung, der lange Weg und sein Abgang“

  1. Hallo Franz,
    du hast eine spannende Biographe über das stürmische Leben von Gonzalo verfasst. Er ist offensichtlich genau entlang der Transatlantik-Standardflugroute Europa – Nordamerika gezogen. Ich bin froh, dass ich da in keinem Flieger gesessen bin.

    LG, Hannes

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