Persönlicher Wetterjahresrückblick 2014

guten rutschWenn ich mich an das Wettergeschehen des zu Ende gehenden Jahres 2014 zurückerinnere,
fallen mir  –  bezogen auf meine Gegend – sofort folgende signifikanten Besonderheiten ein:

– kein Winter
– keine andauernde Hitzewelle
– kein Altweibersommer
– ungewöhnlich warm
– zu feucht
– extreme Wetterereignisse

 

Bei der Ursachenforschung für die starken Abweichungen von einem durchschnittlichen Wetterjahr fällt rasch auf, dass  eine außergewöhnlich lange Erhaltungsneigung der Atmosphäre dafür verantwortlich zeichnet. Darunter versteht man das Verhalten, dass eine Großwetterlage mit  eingeschwungener Zirkulation  besonders lange – über Wochen oder gar Monate – bestehen bleibt.  Manchmal kippt sie für kurze Zeit in ein geändertes Strömungsmuster, um sich bald wieder zu regenerieren.  Die Hauptakteure diese GWL waren ein stark ausgeprägtes Kontinentalhoch  und eine dadurch vor Westeuropa blockierte Frontalzone.  Dabei wurden

– atlantische Tiefdruckgebiete  entweder auf eine nordöstliche Zugbahn gezwungen und nach Skandinavien abgedrängt; ME bleibt im gradientenschwachen „Niemandsland“ oder gelangte in eine milde  teilweise feuchte SW-Strömung,

– oder es kam zu einer Austrogung der atlantischen Frontalzone gefolgt von einem Cutoff-Prozess. Dabei wird die Trogspitze abgeschnürt und tropft als eigenständiges Tief über Frankreich oder die Alpen ins Mittelmeer ab und führt feuchtmilde Mittelmeerluftmassen aus dem Sektor Süd gegen die Ostalpen.

In beiden Fällen waren häufig Südstau mit überdurchschnittlich starken Niederschlägen an der Alpensüdseite und Föhn an der Nordseite des Alpenhauptkammes die begleitenden Wettererscheinungen.
Eine nachhaltige Änderung des Zirkulationsmusters und damit die Beendigung der Erhaltungsneigung ist erst im Dezember mit einem markanten Atlantikdurchbruch (Zonalisierung) gefolgt von einem Vorstoß arktischer Kaltluftmassen eingetreten.

 

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Laut ZAMG war das Jahr 2014 in Österreich das wärmste in der Messgeschichte seit 247 Jahren.  In der nachfolgenden Grafik ist am Beispiel der Messaufzeichnungen  der Hohen Warte in Wien der fast ununterbrochene Temperaturüberschuss  schön ersichtlich. Lediglich in den Monaten Mai und August gab es leichte negative Abweichungen.
Auch die Trockenheit bis Mitte Mai und das erhöhte Niederschlagsaufkommen im weiteren Jahresverlauf sticht hervor.

30.12.2014.klispi365-5904-2014

Quelle:  ZAMG

 

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An meiner Wetterstation habe ich bereits zu Pfingsten am 12.6. die Jahreshöchsttemperatur gemessen:  32,2°.
Die Tiefsttemperatur  wurde in der vergangenen Nacht am 30.12. mit -12,8°  erreicht.
Der gemessene Gesamtniederschlag in flüssiger Form betrug  942mm. Rechne ich den im Jänner  und Dezember gefallenen Niederschlag in fester Phase (Schnee) dazu, erhält man einen Gesamtwert von ca. 970mm.

 

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Meine persönlich markantesten Wettererlebnisse und -beobachtungen nachfolgend in Kurzform, dokumentiert in Bildern.

Wegen Totalausfall des Winters bei uns zog es mich zweimal an die Alpensüdseite nach Osttirol bzw. in die Hohen Tauern.

 

Häufig war eine föhnbehandelte  Schneedecke anzutreffen, wie hier beim Anstieg zum Großglockner:

ggl1-2—————-ggl2-2

 

Saharastaub am Großvenediger, ebenfalls eine Begleiterscheinung der Wetterlagen mit südlicher Anströmung:

gvn1-2gvn2 (2)-2gvn2-2

 

Schneemassen in den Lienzer Dolomiten:

lz2-2lz1-2lz3-2

 

Unendliche Fernsicht am Hocheiser, zwar nicht der Höchste aber für mich der gewaltigste Aussichtsberg in den Hohen Tauern zwischen Großglockner (linkes Bild) und Großvenediger (rechtes Bild):

hocheiser1-2————–hocheiser2-2

 

Die längste Schitour führte mich im März über den Hocharn auf den hohen Sonnblick, wo ich das Meteorologische Observatorium der ZAMG besichtigte. Trotz wolkenlosen Wetters war die Fernsicht durch Saharastaub in der Luft etwas getrübt:

sonnblick1-2—————-sonblick2-2

 

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Die nächsten signifikanten bw. extremen Wetterereignisse ereigneten sich quasi vor der Haustür.

sturm-2

Am  16.3. kam es im Zuge einer NW-Lage kuzzeitig zu einer Isobarendrängung an der Alpennordseite mit Orkanböen.  Am Schneeberg wurden Windgeschwindigkeiten bis 220km/h gemessen, am Hocheck  konnte ich mit meinem mobilen Windmesser 152km/h eine Böe einfangen.
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Am 15. und 16.  Mai führte ein Balkantief feuchte Mittelmeerluft mit eingelagerten konvektiven Starkniederschlägen an die  NÖ-Alpennordseite. Ein 15-30 jähriges Hochwasser im Oberlauf der Triesting war die Folge.
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Die einzige kurze Hitzewelle fand bereits vor dem kalendarischen Beginn des Sommers statt, zu Pfingsten am Beginn der zweiten Junidekade. Bestens zu ertragen waren die ungewohnt hohen Temperaturen auf der Hochfläche des Hochschwab:

 hs1-2——————-hs2-2

 

Von Juli bis in den August herrschten über mehrere Wochen fast tropische Verhältnisse: sommerliches Temperaturniveau bei ungewöhnlich hoher Luftfeuchtigkeit mit häufigen Gewittern mit extremen Starkniederschlägen.

Eines dieser folgeschweren Gewitterereignisse ereignete sich am 3.8. im oberen Triestingtal.  Auf Höhe Steinbachgraben bildete sich eine Superzelle mit einem Starkniederschlagsfeld,  aus dem in kürzester Zeit 60-100mm  Regen fielen.   Ausuferungen der Triesting bis auf die Bundesstraße in Thenneberg und Altenmarkt waren die Folge.  Aufgrund der Kleinräumigkeit blieb das Triestingtal vor einer katastrophalen Flutwelle wie am 4.8.1991 verschont:

sz2.08-2—————-sz1.08-2

 

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Häufige Südföhnlagen im Herbst brachten der Alpennordseite oft sonnige Verhältnisse mit prächtiger Fernsicht bei gleichzeitigem Wolkenstau am Alpenhauptkamm…………………..

herbst2-2—————-herbst1-2

herbst3-2————–herbst4-2

IMG_1316-2—————-IMG_1278-2

 

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Das für mich spannendste Wetterereignis des Jahres war die Entstehung und Entwicklung des Hurrikans GONZALO mit seiner langen Zugbahn von den Kleinen Antillen über die Bermudas, den nördl. Atlantik zur Nordsee und in weiterer Folge quer über die Alpen zum Balkan. Er brachte Sturm mit Orkanböen, heftige Niederschläge mit einem Wintereinbruch an der Alpennordseite und verpasste dem Schneeberg einen bizarren Eispanzer (Bild unten). Einen eigenen Report dazu gibt es hier.

gonzalo-2—————gonzalo.sbg-2

 

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Ein Wetterphänomen mit hohem Schadensausmaß suchte zu Dezemberbeginn Teile Niederösterreichs heim. Stark betroffen war auch das Hocheck. Starke Raureifbildung  gepaart mit gefrierendem Regen hat zu enormen Eisbruchschäden in unseren Wäldern geführt.

Inversionslagen über mehrere Tage mit Raureifbildung in der nebeligen Grundschicht führen im Spätherbst und Winter an Bäumen, die der Last nicht standhalten, immer wieder zu  gebrochenen Ästen. Sie sind also nichts Außergewöhnliches und für die Natur normalerweise verkraftbar.

Diesmal zeichnete sich diese Wetterlage durch eine ungewöhnlich lange Beständigkeit aus. In den letzten Novemberdekade wurden zwischen einem Kontinentalhoch und einem recht ortsfesten Tiefdrucksystems, das vom nördlichen Atlantik bis zur  iberischen Halbinsel reichte, in der Höhe über mehrere Tage zunächst recht trockene Warmluft an die Alpen gelenkt. Zwischen 1100m und 1300m kam es zur Ausbildung einer Inversion. Unterhalb der Inversionsgrenze wurde mit SO-Wind  sehr feuchte Mittelmeerluft an den Alpenostrand geführt, die im Randbereich des kalten Kontinentalhochs auf negative Temperaturen abgekühlt wurde. Über die gesamte Zeit baute sich in den windzugewandten Wäldern und an Hindernissen eine wachsender Raureifbelag auf:

 

r1-2—————r2-2

r3-2—————–r4-2

 

Zur selben Zeit 200 Höhenmeter höher:

inv2-2—————–inv1-2

 

Ende November führte ein Cutoff-Prozess ins westl. Mittelmeer auch in der Höhe feuchte aber äußerst milde Luftmassen an die Alpen.  Am ersten Dezember setzten Niederschläge ein, die zwar von einigen Wetterdiensten als Schnee prognostiziert waren, aber schlußendlich als Regen, der in der Grundschicht an Bäumen und dem kalten Raureif festfror. Ursache dafür war eine Warmluftblase (positive Temperaturschicht) oberhalb der Inversionsgrenze bis in eine Höhe von 3000m über NÖ, was am Sounding (Radiosondenaufstieg) von Wien, 1.12.,01:00  gut zu erkennen war.

Eisbelag an Bäumen und Sträuchern nach dem gefrierenden Regen:

eis1-2 —————–eis4-2

eis3-2 ——————eis2-2

 

Katastrophale Waldschäden:

s1-2———- s4-2

s3-2————- s2-2

 

Knapp vor Jahresende hielt der Winter doch noch mit über 30cm Pulverschnee Einzug   🙂    🙂     🙂

winter1-2—————-P1100579-2

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