Milde und turbulente Westwetterlage mit eingelagerten Sturmtiefs

Nach Tagen mit ruhiger hochdruckdominierter Hochdrucklage wird es nun deutlich unbeständiger und turbulenter mit tagweisem Sturmpotential. Die Ursache liegt im „extrem potenten“ PW (Polarwirbel) von der Stratosphäre bis in die Troposphäre, auf dessen ungewöhnliche Stärke ich in den letzten Prognose-/Analysebeiträgen ausführlich eingegangen bin. Auch wenn das Sturmpotential im Laufe des Wochenendes abnimmt, bleibt die  dynamische zonale Westwetterlage auch kommende Woche bestehen, wobei sie ab Wochenmitte – zumindest vorübergehend – wieder der antizyklonale Wettercharakter Oberhand gewinnen könnte.

Erst zum Monatswechsel deutet sich eine deutliche Schwächung des stratosphärischen PW mit „displacement“ und möglichem SSW (sudden stratospheric warming) an. Die Auswirkungen nach unten auf die Troposphäre sind noch nicht absehbar, aber ich fürchte: „die Tür für den Winter (bis in tiefe Lagen) hat sich geschlossen„.

Arktische Kaltluftausbrüche mit Frostgefahr im Frühjahr, wenn der PW in den Sommermodus wechselt, sind damit aber nicht vom Tisch!

 

Bilderrückblick auf das Hochdruckwetter im Oberen Triestingtal in den letzten Tagen  und synoptische Analyse mit Prognose für die Wochenfrist:

            

 

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Die zwei nachfolgenden Karten aus dem aktuellen GFS-Modelllauf zeigen den gesunden Zustand des PW in 32km Höhe (10hPa) anhand des Zonalwindes und des Jetstreams, der im nordatlantischen Bereich besonders stark ausgeprägt ist:

                             

 

Die zugehörige Geopotential-/Druckstruktur vom NA bis ME/OE für heute Do zeigt die dynamische Frontalzone mit 2 eingebetteten Orkantiefs. Das erste liegt bereits über dem Baltikum, der Alpenraum befindet sich im stürmischen Warmsektor. Aktuell um 06:00 zeigt meine Messstation in Thenneberg +13,3°C und draußen pfeift der Sturm! Auf den Bergen der Alpennordseite muss mit Orkanböen gerechnet werden. Das zweite Orkantief – ein sogenannter Schnellläufer – liegt noch über dem zentralen NA und wird in der Nacht auf Fr und am Sa GB und das nördliche ME queren. Über den Beneluxstaaten und der Nordseeküste dürfte es besonders ruppig werden. Die Nordseite der Ostalpen wird nach einer Wetterberuhigung am morgigen Fr am Sa von Ausläufern gequert:

 

Mit deutlich schwächerem Wind und wechselhaftem Wettercharakter geht es durch den So, ehe zu Wochenbeginn eine Kaltfront aus WNW mit neuerlich auffrischendem Wind und Abkühlung die Ostalpen erreicht:

 

Tendenziell könnte sich nach kommender Wochenmitte eine ruhigere, wieder mildere und weiterhin zonal geprägte Westwetterlage einstellen:

Ob es so kommt, werde ich in meiner nächsten Wochenprognose analysieren.

 

Spekulativer Ausblick:

Wie schon in der Einleitung erwähnt, könnte sich zum Monatswechsel eine nachhaltige Veränderung im statosphärischen PW anbahnen. Die berechnete Temperaturentwicklung in 32km deutet ein „displacement“ des PW-Zentrums in Richtung Kanada und das Potential für ein SSW mit „minor warming“ an:

 

Für belastbare Aussagen ist es noch zu früh, die Entwicklung bleibt aber auf meiner „watchlist“.

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