Extremer Gletscherrückgang am Beispiel des Taschachferners

Die anthropogene Erderwärmung, die sich im Alpenraum ähnlich wie in der Arktis verstärkt auswirkt, führt von Jahr zu Jahr zu einem enormen Masseverlust der Gletscher. Im Vorjahr habe ich dies am Beispiel der Pasterze dokumentiert (link).
Gestern unternahm ich im Talschluß des Pitztales in Nordtirol eine ausgedehnte Bergtour in den Ötztaler Alpen. Dabei wanderte ich die meiste Zeit hoch über den Taschachferner im Anblick der Wildspitze, dem höchsten Berg Tirols. Der drastische Gletscherschwund zeigt sich erwartrungsgemäß auch hier und wird heuer durch den schneearmen Winter, die deutlich zu warmen Vormonate und dem aktuellen „Hitzesommer“  verstärkt. Die hohen Pegelstände der Gletscherabflüsse bezeugen die überdurchschnittlichen Schmelzraten. Der Schnee des Winterhalbjahres ist bis ins Nährgebiet größtenteils geschmolzen. Das nun freiliegende, schutzlos der Sonne ausgelieferte  und dunkle Blankeis absorbiert deutlich mehr Sonnenenergie als weißer Schnee. Ein zusätzlicher Schub, der das Abschmelzen verstärkt.  Ausgedehnte Gletscherseen entstehen am Ende der Gletscherzungen.  Gebirgsbäche sind gut mit Schmelzwasser gefüllt und nur schwer zu queren. 

Der nachfolgenden Beitrag mit einer ausführlichen Fotostrecke meiner gestrigen Bergtour dokumentiert auch den rasanten Gletscherrückgang in den Alpen am Beispiel des Taschachferners und zeigt exemplarisch die oben beschriebenen Begleiterscheinungen.

 

Die Bergtour beginnt diesmal unbeschwerlich ;), denn ich nutze die Aufstiegshilfen auf den Hinteren Brunnenkogel (3438).

Das Gipfelpanorama ist überwältigend.

Die vergletscherte Nordseite der Wildpitze ist das Nährgebiet des Taschachferners:

 

Blick nach W mit der Zunge des Taschachferners und der Abstiegsroute mit zwei kleinen Seen, die mir noch als „fotogener Spiegel“ dienen werden:

 

Kaunergrat im Hintergrund:

 

Mittelbergferner und Geigenkamm im Hintergrund:

 

Der Abstieg führt über den gut versicherten und markierten Pitztaler Gletschersteig mit „abenteuerlicher Einlage“ am Ende der Gletscherzunge:

            

 

Rastplatz mit grandiosem Blick auf die Wildspitze mit dem Taschachferner:

 

Auf dem Abstiegsweg treffe ich auf mehrere kleine Seen:

 

Alpenblumen verzieren die kargen Böden:

 

Blick zurück …………..

 

…………. und von der Moräne, auf der der Weg verläuft, auf das nahende Ende der Gletscherzunge:

 

Bevor ich das Ende der Gletscherzunge erreiche, ist noch ein mühsamer aber fotogener Abstieg über Felsen mit „Gletscherschliffen“ zu überwinden. Als Gletscherschliff bezeichnet man Schleifspuren im Fels, die durch Gletscherfluss entstanden sind. Aufgrund der orange-braunen Verfärbung, dürfte das Gestein eisenhaltig sein:

            

 

Das Ende der Gletscherzunge und und der vom Gletschermehl weißlich gefärbte anschließende Gletschersee werden sichtbar. In der Mitte der rechten Bildhälfte erkennt man das Taschachhaus, ein Zwischenziel meines Abstiegs: 

 

Das Ende der Gletscherzunge ist erreicht:

 

Während der ganzen Tour habe ich mich gewundert, dass ich keine Bergsteiger begegnete. Spätestens jetzt weiß ich es 😉

Dort, wo normalerweise der Weg über die Eisreste der Gletscherzunge quert, befindet sich derzeit ein riesiger See; zu tief zum Furten:

 

Um auf den Weiterweg zum Taschachhaus zu gelangen, muss ich auf dem blanken Gletscher ansteigen, bis ich an geeigneter Stelle auf der anderen Seite auf loses Material oberhalb des Gletschers gelange. Knifflig erreiche ich nach Umgehung eines Eisabbruches und Überwindung eines Gebirgsbaches den eigentlichen Weiterweg:

 

 

Taschachhaus:

 

Blick zurück auf das herabstürzende Schmelzwasser:

 

Das lange Taschachtal, das ich noch hinauswandern muss:

3 Kommentare zu „Extremer Gletscherrückgang am Beispiel des Taschachferners“

  1. Kenne den Gletscher seit den Siebziger Jahren , War einmal meine zweite Heimat Sommer wie Winter . In den Achziger Jahren ist er sogar gewachsen . Tolle Touren dort gemacht Sexgerten Spitze , Petersenspitze u.s.w Leider sehr Traurig .. aber es war schon immer so . die Pasterze am Glockner war mal mit Wald bedeckt —

    1. Auch ich war seit den 80-iger Jahren oft in den Ötztaler Alpen unterwegs. Unter anderem über den Taschachferner Wildspitze, Hinterer Brochkogel etc. Der Gletscherrückgang erfolgt, wie überall in den Alpen, im Zeitraffertempo!
      Klimavariabilität – der Wechsel zwischen Kalt- und Warmzeiten – vollzog sich immer über große Zeiträume. Derzeit wird eine Klimaveränderung, die sich normalerweise über viele Jahrtausende vollzieht, durch den Menschen auf wenige Menschgenerationen komprimiert.
      Die Pasterze ist nach Studien seit Jahrtausenden in wechselnder Intensität vergletschert und hat ca. 1850 einen Höchststand erreicht. Der Hufeisenbruch, die letzte Verbindung vom Nährgebiet zur Pasterzenzunge, wird bald abreißen. Damit wird die Zunge zu schuttbedecktem Toteis ohne Verbindung zum Nährgebiet verkümmern! Vegetation wird sich dann in Gebieten, wo vor Jahrzehnten noch Eis vorherrschte, langsam ausbreiten. Derart rasche Veränderungen sind mit natürlichen Klimaschwankungen nicht erklärbar!

  2. Hallo,
    danke für die schönen Bilder.

    Ich bin sehr traurig geworden. War ich doch 2020 (über den Gletscher) und 2021 (Gletschersteig) am und auf dem Taschachferner.
    Das ist kaum zu glauben, wieviel Eis einfach weg ist und wie sehr der Gletscher zurück gegangen ist.

    Die Menschen sind wohl die Dümmsten Lebewesen auf diesem Planeten. Sich selbst die Lebensgrundlage zu zerstören aufgrund von Profitinteressen und Bequemlichkeit.

    So traurig…

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