Ab Sonntag heißt´s warm anziehen

Was mich seit Tagen in meinen Aanalysen beschäftigt, nimmt nun konkrete Formen an und dürfte in seiner extremsten Ausprägung kommen. Ein denkbar schlechtes Szenario mit drohenden Schäden für Obstkulturen:
Arctic Outbreak und inverse Omegalage mit Höhentiefkern über ME.

Ein „downstream-developement“ an der Ostflanke eines umfangreichen atlantischen Hochdruckgebietes führt die  kältest möglichen polaren Luftmassen auf direktem Weg bis zu den Alpen und  bringt von  So bis Mitte kommender Woche einem spätwinterlichen Wetterabschnitt. Erst danach erholt sich die Temperatur wieder langsam, der Höhentiefeinfluss bleibt bestehen.

Obstbauern, Landwirte und Gärtner müssen um ihre Pflanzenkulturen zittern, denn die polaren Luftmassen sind nicht nur sehr kalt, sondern auch sehr trocken.  Sollte es nachtsüber aufklaren, so muß man bei diesen Bedingungen in geschützen Lagen starken Luftfrost und Schäden an der fortgeschrittenen Vegetation  befürchten. Allfälligen Schneefälle bis in die Niederungen sollten keine Probleme darstellen, da keine grossen Mengen zu erwarten sind.

Nachfolgend meine detailierte synoptische Analyse mit Prognose:

Einen Überblick über den bevorstehenden Kaltlufteinbruch zeigt das nachfolgende Diagramm die Ensembles der letzten GFS-Modellrechnungen (Gitterpunkt Oberes Triestingtal). Die obere Zackenkurve zeigt die Temperaturkurve in 2m Höhe und den Mittelwert (rote Linie) aller Modellläufe.  Auf der Abszisse ist die Zeitachse aufgetragen, darüber die Niederschlagssignale. Auf der Ordinate sind die Niederschlagsmengen bzw. die Temperaturen abzulesen:

21.04.2016.ens

 

Die aktuelle Ausgangslage zeigt für  heute Do einen Hochdruckkeil über ME zwischen einem  atlantisches Tiefdruckgebiet, das große Bereiche von den  Azoren bis zur iberischen Halbinsel bedeckt, und tiefem LD von Skandinavien  über das Baltikum bis zum Schwarzen Meer. Während der NO Österreichs gestern Mi noch im Randbereich des östlichen Frontalzone in einer kühlen NW-Strömung lag, kommt heute der gesamte Ostalpenraum in den Genuss des Keils an der Vorderseite des Atlantiktiefs. Die Tagestemperaturen steigen verbreitet gegen 20°C, in Föhntälern der Alpennordseite auch darüber:

21.04.2016.gfs-0-12

 

Die mit der NW-Ströung  gestern eingeflossene kühle Atlantikluft war sehr trocken. Gleichzeitig lösten sich sämtliche Wolken auf und der Wind flaute ab. In der folgenden Strahlungsnacht konnten dadurch die Temperaturen in geschützten Lagen auf Werte unter 0° sinken. Meine Messstation  zeigte Luftfrost von -1,7°C, auf den Wiesen gab es Reif (Beitragsbild von heute 07:00).
Die „optimale“ zeitliche Überlappung dieser Faktoren – kühle +trockene Luftmasse, Wolkenauflösung, Windstille – hat eine unerwartete nächtliche Abkühlung von fast 15 K und damit den leichten Morgenfrost, der für die Vegetation zum Glück ohne Schaden blieb,  ermöglicht.

Die weitere Entwicklung zeigt zunehmenden zyklonalen Einfluss. Bereits morgen Fr werden im W und S die Wolken zunehmen und spätestens am Abend mit der Bildung eines kleinräumigen Adriatiefs  Niederschläge einsetzen. Der Osten bleibt  begünstigt mit Sonne, Wolken und nochmals milden Temperaturen.

Am Sa formiert sich nördlich von Österreich eine massive Kaltfront.
Gleichzeitig wird an der Vorderseite des retrograd nach Westen verlagerten Atlantiktiefs durch weit nach Norden bis Grönland vorstoßende Subtropenluft  der Aufbau eines umfangreichen atlantischen Hochdruckgebietes eingeleitet. Erst dadurch werden die Voraussetzungen für den „arctic outbreak“ als Gegenbewegung (downstream-developement) geschaffen:

21.04.2016.gfs-0-60

 

Der Sa wird bereits  merklich kühler und  im Einflussbereich des Adriatiefs aus SW zunehmend regnerisch. Im Osten setzt der Regen voraussichtlich erst am Nachmittag ein. In die Nacht zum So quert die erwähnte Kaltfront mit einem  nachhaltigen Temperatursturz.

Am So in der Früh könnte es dann bis in die Niederungen der Alpentäler und entlang der Alpennordseite bis zum Wienerwald bei knapp über 0° aber deutlich negativen Taupunkten eine weiße Überraschung geben:

21.04.2016.schnee

 

Die Temperaturanomaliekarte der Bodentemperaturen für So zeigt die extreme neagtive Abweichung (blau eingefärbt) vom klimatologischen Mittel. An den Stromlinien ist auch deutlich der direkte Weg der Polarluft über das kalte europäische Nordmeer nach ME zu erkennen:

21.04.2016.ANOM2m_f108_europe

Quelle:  karstenhaustein

 

Auf der Höhentemperaturkarte (500hPa oder ca. 5500m)  für Mo wird das Ausmaß des polaren Kaltlufteinbruches über Zentaleuropa ersichtlich:

21.04.2016.gfsnh-13-108

 

Die inverse Omegalage möchte ich anhand der Druckverteilung  Mitte kommender Woche dokumentieren. Ein Höhentief gefüllt mit Kaltluft ist als Folge des extremen Kaltluftvorstoßes  über dem nördlichen ME  entstanden. Es wird im NW (Grönland) und NO (Karasee) von zwei Hochdruckgebieten flankiert und gleichzeitig gestützt.  Eine GWL, die noch für einige Tage für einen unbeständigen und unterkühlten Wettercharakter sorgen dürfte:

21.04.2016.gfsnh-0-156

 

Der genaue Ablauf im Verlauf der kommenden Woche kann sich aufgrund der zeitlichen Distanz im Detail noch ändern. Vor allem wann es wo Strahlungsnächte geben kann, ist noch nicht vorhersagbar.
Aktualisierung erfolgt bei neuen Erkenntnissen.

 

Nochmals der Hinweis:
In den Niederungen werden ab So die Höchsttemperaturen tagsüber zumindest bis Mitte kommeder Woche  im einstelligen Bereich bleiben. Die eingeflossene Polarluft ist – ähnlich wie die Luftmasse gestern – sehr trocken. Damit ist bei Aufklaren in den Nächten in windgeschützten Lagen größte Gefahr von Luftfrost gegeben. Schäden an Obstkulturen sind zu befürchten  🙁

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